SAP Engagement Cloud (Emarsys) einrichten: ein Leitfaden in 8 Schritten
CEO Spadoom AG & Sprecher DSAG AG CX Schweiz
Die Einrichtung von SAP Engagement Cloud (vormals SAP Emarsys) umfasst acht Schritte und dauert für E-Mail plus ein SAP-System sechs bis zehn Wochen. Keiner der Schritte ist kompliziert, aber die Reihenfolge zählt: Wer die Domain-Konfiguration oder das Daten-Mapping überspringt, jagt danach wochenlang Zustellproblemen oder defekten Personalisierungs-Tokens hinterher.
SAP hat Emarsys im Februar 2026 in SAP Engagement Cloud umbenannt; das bestehende Produkt läuft als Emarsys Edition weiter, und die hier beschriebene Einrichtung gilt für sie. Viele Komponenten (Web Extend, Smart Insight, das Emarsys SDK) tragen weiterhin den alten Namen. Wir haben diesen Ablauf in SAP-Commerce- und S/4HANA-Projekten für Kunden unterschiedlicher Grösse durchlaufen.
Kurzfassung: Eine Engagement-Cloud-Implementierung umfasst 8 Schritte in 6 bis 10 Wochen: Tenant-Konfiguration, Versanddomain, Link-Tracking, Web-Tracking und Identifikation, Währung und Web-Domains, Kanalaktivierung, Bereitstellung der Verkaufsdaten und die ersten Kampagnen. Der kritische Pfad führt über die Versanddomain (SPF, DKIM, DMARC, IP-Warm-up) und die Datenintegration. Beginnen Sie mit E-Mail und ergänzen Sie SMS und Push, sobald der Kern stabil läuft.
Wie sieht die Einrichtung von Anfang bis Ende aus?
Der Integrationsleitfaden von SAP für die Engagement Cloud listet Konnektoren und APIs auf. Die vorgefertigten SAP-Integrationen ersparen viel Individualarbeit, aber die Grundlagen unten müssen trotzdem sauber gemacht werden. Hier die acht Schritte.
Schritt 1: Tenant-Konfiguration
Alles beginnt mit der Bereitstellung Ihres Tenants: der abgeschotteten Umgebung, in der Ihr Konto, Ihre Daten und Ihre Kampagnen leben. Sie liefern:
- Firmenangaben und Rechnungsinformationen
- Eine Hauptansprechperson für das Konto
- Die gewünschte Rechenzentrumsregion (für Schweizer und EU-Unternehmen die EU)
- Die anfänglichen Kanalanforderungen (E-Mail ist Standard; SMS und Push sind Zusatzoptionen)
Das Übergabeformular von SAP reichen Sie über Ihren Implementierungspartner oder das Kundenportal SAP for Me ein. Rechnen Sie mit einigen Arbeitstagen.
Schritt 2: E-Mail und Versanddomain
Dieser Schritt entscheidet, ob Ihr Start gelingt. Eine mangelhafte Domain-Konfiguration ist die häufigste Ursache für Zustellprobleme, die wir sehen.
Was Sie brauchen:
- Eine eigene Versand-Subdomain (zum Beispiel
mail.ihrefirma.ch), nicht Ihre Hauptdomain - Einen SPF-Eintrag, der die Versandinfrastruktur der Engagement Cloud einschliesst
- DKIM-Schlüssel, die in der Engagement Cloud erzeugt und in Ihrem DNS veröffentlicht werden
- Eine DMARC-Richtlinie, zunächst mit
p=none, nach dem Warm-up verschärft aufp=quarantine - MX-Einträge für die Bounce-Verarbeitung
Warum die Subdomain wichtig ist: Geht beim IP-Warm-up etwas schief, trifft es nur die Subdomain, und der Ruf Ihrer Hauptdomain bleibt sauber. Unternehmen, die das auslassen, können die Absenderreputation der Domain beschädigen, über die ihr ganzes Geschäft mailt, und die Reparatur dauert Monate.
IP-Warm-up: Die Engagement Cloud führt Sie durch ein strukturiertes Warm-up, bei dem das Versandvolumen über zwei bis vier Wochen gesteigert wird. So baut sich die Reputation bei den Postfachanbietern (Gmail, Outlook, Yahoo) auf, und das entscheidet, ob Sie im Posteingang oder im Spam-Ordner landen.
Schritt 3: Link-Tracking und Abmeldung
Richten Sie die Tracking-Parameter so ein, dass die Kampagnendaten sauber in Ihre Analyse fliessen:
- UTM-Parameter:
utm_source,utm_medium,utm_campaignundutm_contentan alle Kampagnenlinks hängen, damit sie in Google Analytics sichtbar sind - Eigene Tracking-Domains: gebrandete Link-Domains (zum Beispiel
track.ihrefirma.ch) statt generischer Tracking-URLs - List-Unsubscribe-Header: für die Compliance nötig, und die Absenderrichtlinien von Google verlangen von Massenversendern die Abmeldung mit einem Klick
Verwalten Sie Abmeldungen ausserhalb der Engagement Cloud in einem eigenen Präferenzcenter, konfigurieren Sie eine eigene List-Unsubscribe-URL mit Parametern zur Identifikation von Kontakt und Kampagne.
Schritt 4: Web Extend und Nutzeridentifikation
Web Extend ist das Web-Tracking-Skript der Plattform, gebaut für die Segmentierung und nicht für allgemeine Webanalyse. Installieren Sie es auf allen Seiten Ihrer Website, um Folgendes zu erfassen:
- Seitenaufrufe und Produktansichten
- In den Warenkorb gelegte und abgebrochene Warenkörbe
- Suchanfragen
- Eigene Ereignisse
Legen Sie fest, wie Besucher identifiziert werden: per E-Mail-Adresse (gehasht) oder per eigenem Identifikator aus Ihrem System. Die richtige Wahl hängt von Ihrem Login-Ablauf ab. Sind die meisten Besucher angemeldet, verwenden Sie Ihre CRM-ID. Surfen die meisten anonym, nehmen Sie die E-Mail-Adresse mit einem Cookie-basierten Fallback.
Schritt 5: Währung und Domains für den Web-Kanal
Zwei Einstellungen, die regelmässig übersehen werden:
- Währung: Wählen Sie die Hauptwährung für das Kauf-Tracking. Pro Konto gibt es eine Hauptwährung; verkaufen Sie in CHF und EUR, entscheiden Sie, welche zur Basis für das Reporting wird.
- Web-Domains: Registrieren Sie alle Domains und Subdomains, die den Web Channel nutzen (personalisierte Website-Inhalte). Das Web-Extend-Skript muss auf jeder davon laufen.
Schritt 6: Kanalaktivierung
E-Mail ist standardmässig aktiv. Jeder weitere Kanal braucht eine eigene Einrichtung:
- SMS: Geben Sie Ihr bevorzugtes SMS-Gateway an oder nutzen Sie die eingebaute Funktion. Nötig sind Opt-in-Daten und die Einhaltung der lokalen SMS-Regeln, die in den meisten Ländern strenger sind als für E-Mail.
- Push-Benachrichtigungen: Konfigurieren Sie das Push-Zertifikat Ihrer App (iOS) und den Firebase-Schlüssel (Android). Dafür braucht es das Emarsys Mobile SDK in Ihrer App.
- Web-Push: Browserbasierter Push braucht das Web-Push-SDK und einen Service Worker auf Ihrer Website.
Unser Rat: Beginnen Sie mit E-Mail und bringen Sie diesen Kanal zum Laufen. Ergänzen Sie SMS und Push, sobald E-Mail zuverlässig funktioniert und Ergebnisse liefert. Alle Kanäle gleichzeitig zu starten, vervielfacht die Komplexität ohne entsprechenden Nutzen, und wenn etwas bricht, weiss niemand, welcher Kanal die Ursache ist.
Schritt 7: Bereitstellung der Verkaufsdaten
Dieser Schritt bringt Ihre Transaktionsdaten in die Engagement Cloud, für die Umsatzzuordnung und die kaufbasierte Segmentierung.
Empfohlene Methode: die Sales Data API. Sie lädt Ihre Verkaufsdatei über HTTPS hoch und prüft sie schon beim Upload, sodass Fehler sofort sichtbar werden. SAP verlangt einen täglichen Upload der aktuellen Kontakt-, Kauf- und Produktdaten. Jede Zeile enthält eine Kundenkennung, Produkt-ID, Menge, Wert und Datum.
Alternative: der SFTP-Upload. Er ist eine Altlösung: einfacher einzurichten, aber ohne Prüfung beim Upload, und laut SAP fliessen per SFTP geladene Verkaufsdaten nicht in die Produktempfehlungen ein.
Nutzen Sie SAP Commerce Cloud, sendet der vorgefertigte Konnektor Bestellereignisse nahezu in Echtzeit und ohne Individualentwicklung an die Engagement Cloud. Kommen Ihre Aufträge aus einem ERP, typischerweise S/4HANA, wird derselbe Verkaufsdaten-Upload aus dem ERP gespeist; dieses Muster beschreiben wir in Marketing auf echten Umsätzen.
Schritt 8: Start der ersten Kampagne
Die Infrastruktur steht, jetzt geht es live. Wir empfehlen, so zu beginnen:
- Eine Willkommensmail. Sie wird bei der Registrierung eines neuen Kontakts ausgelöst, ist risikoarm und beweist sofort, dass Ihr Datenfluss funktioniert.
- Eine Mail zum abgebrochenen Warenkorb. Sie wird ausgelöst, wenn jemand Produkte in den Warenkorb legt, den Kauf aber nicht abschliesst, und prüft die Commerce-Integration und die Personalisierungs-Tokens.
- Ein Follow-up nach dem Kauf. Es wird nach der Bestellbestätigung ausgelöst und prüft den Transaktionsdatenfluss und die Zeitlogik.
Alle drei nutzen vorgefertigte Taktiken, Sie konfigurieren also bewährte Programme, statt sie von Grund auf zu bauen.
Was sind die häufigsten Fehler bei der Einrichtung?
Die meisten verzögerten Starts, die wir sehen, gehen auf Datenqualität und Reihenfolge zurück, nicht auf die Plattform. Diese fünf Fehler begegnen uns immer wieder.
IP-Warm-up auslassen. Wer am ersten Tag 100’000 E-Mails von einer neuen IP verschickt, landet direkt im Spam-Ordner. Halten Sie den Warm-up-Plan ein. Er dauert zwei bis vier Wochen, und das ist der Preis für eine dauerhaft gute Zustellbarkeit.
Von der Hauptdomain aus versenden. Geht das Warm-up schief, leidet der Ruf Ihrer Hauptdomain. Verwenden Sie immer eine eigene Subdomain.
Unsaubere Daten importieren. Doppelte Kontakte, ungültige E-Mail-Adressen und Kontakte ohne Einwilligungsnachweis verursachen sofort Probleme: hohe Bounce-Raten, geringe Interaktion und Compliance-Risiken. Bereinigen Sie Ihre Daten vor dem Import. Von allen Ursachen für verspätete Starts sehen wir diese am häufigsten.
Alle Kanäle gleichzeitig starten. Bringen Sie zuerst E-Mail zum Laufen: Datenflüsse prüfen, Personalisierung testen, Zustellbarkeit bestätigen. Dann kommen SMS, Push und Web dazu. Ein paralleler Start vervielfacht die Komplexität und macht die Fehlersuche langsam.
Web Extend aufschieben. Ohne Web-Tracking kann die Engagement Cloud keine verhaltensbasierten Segmente bilden und keine Programme bei abgebrochenem Stöbern auslösen. Installieren Sie das Skript früh, auch wenn Sie diese Funktionen nicht sofort nutzen.
Wenn Sie noch entscheiden, ob die Engagement Cloud überhaupt die richtige Plattform ist, helfen unser Vergleich mit eigenständigen Marketing-Automation-Tools und der Preis- und Kostenleitfaden. Für die Wahl eines Implementierungspartners lesen Sie unseren Leitfaden zu SAP-Engagement-Cloud-Partnern in der Schweiz und DACH.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Standardimplementierung der Engagement Cloud?
Sechs bis zehn Wochen für E-Mail mit der Integration eines SAP-Systems (typischerweise Commerce Cloud). SMS kostet ein bis zwei Wochen mehr. Push-Benachrichtigungen brauchen die Integration des Mobile SDK, was je nach App zwei bis vier Wochen dazu bringt. Der kritische Pfad führt meist über die Domain-Konfiguration und das IP-Warm-up.
Brauche ich für die Einrichtung ein technisches Team?
Sie brauchen jemanden, der DNS-Einträge (SPF, DKIM, DMARC) ändern und JavaScript-Tracking-Skripte installieren kann. Mit SAP Commerce Cloud hält der vorgefertigte Konnektor die Individualentwicklung minimal. Systeme anderer Anbieter erfordern API-Integrationsarbeit. Die Konfiguration auf Seiten der Engagement Cloud übernimmt ein Implementierungspartner.
Welche Daten sollte ich vor dem Start vorbereiten?
Mindestens: saubere Kontaktdaten (E-Mail, Name, Einwilligungsstatus), den Produktkatalog (Marke, Kategorie, Preis) und historische Verkaufsdaten (Aufträge mit Kunden-IDs, Produkt-IDs und Umsatz). Die Qualität dieser Daten bestimmt, wie schnell personalisierte Kampagnen laufen können. Entfernen Sie Dubletten und ungültige Adressen vor dem Import.
Kann ich nur mit E-Mail starten und Kanäle später ergänzen?
Ja, und genau das empfehlen wir. E-Mail ist die Grundlage: Zustellbarkeit sicherstellen, die Datenintegration prüfen, Personalisierungs-Tokens testen und die ersten Automationen starten. SMS ergänzen Sie nach vier bis sechs Wochen, sobald E-Mail stabil läuft. Push-Benachrichtigungen können folgen und brauchen das Mobile SDK in Ihrer App.
Was ist bei der Einführung der Engagement Cloud für SAP-Commerce-Kunden anders?
Der vorgefertigte SAP-Commerce-Konnektor deckt die Synchronisation des Produktkatalogs, Auslöser für Bestellereignisse, die Kundenregistrierung und die Erkennung abgebrochener Warenkörbe ab. Das erspart Wochen an individueller API-Arbeit. Für Commerce-Plattformen anderer Anbieter bauen Sie diese Datenflüsse selbst über die API der Engagement Cloud.
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