
SAP Engagement Cloud: Emarsys Edition vs. Enterprise Edition im Vergleich
Spadoom
SAP CX Partner & Consultancy
Seit SAP im Februar 2026 Emarsys in SAP Engagement Cloud umbenannt hat, taucht in jedem Lizenzgespräch dieselbe Frage auf: welche Edition? Die Umbenennung selbst war schnell erklärt. Die Wahl zwischen Emarsys Edition und Enterprise Edition ist es nicht, denn SAP publiziert weder eine Feature-Matrix noch Preise, und die meisten Vergleiche im Netz enden bei “Enterprise hat mehr KI”.
Wir haben die aktuelle SAP-Preisliste (August 2026), die offiziellen Ankündigungen und die Q2-2026-Release-Notes durchgearbeitet. Hier ist der Vergleich, den wir uns selbst gewünscht hätten, inklusive Preisunterschied in Prozent und einem Break-even, der uns überrascht hat.
TL;DR: Eine Plattform, zwei Paketierungsphilosophien. Die Emarsys Edition ist modular: schlanke Basis plus ein Dutzend einzeln lizenzierte Optionen. Die Enterprise Edition ist all-in: ein Abo ohne separate Options-SKUs, dazu exklusiv Joule AI und Business-Areas-Governance, von SAP um die native Business-Data-Cloud-Integration herum positioniert, ergänzt um eine Verbrauchsmetrik (Capacity Units). Bei Einstiegsvolumen kostet die Enterprise Edition auf Listenbasis rund das Doppelte eines vergleichbar ausgestatteten Emarsys-Stacks; ab etwa 5 Millionen Kontakten dreht das Bild, dann ist sie 20 bis 35 Prozent günstiger. Unterhalb dieser Linie fahren die meisten Unternehmen mit der Emarsys Edition besser.
Zwei Editionen, eine Plattform
Vorweg das Wichtigste: Es sind nicht zwei Produkte. SAPs eigene Release-Notes liefern Features “to all editions unless otherwise noted” aus, und Partnerquellen beschreiben den Wechsel von einer Edition zur anderen als primär kommerzielle und organisatorische Umstellung, nicht als Replatforming. Was sich unterscheidet, sind Paketierung, eine Handvoll exklusiver Fähigkeiten und das Preismodell.
SAP Engagement Cloud, Emarsys Edition ist das Produkt, das früher SAP Emarsys Customer Engagement hiess, unverändert weitergeführt; SAPs eigene Ankündigung betont, dass alles, was Kunden heute kennen und nutzen, wie bisher weiterläuft. Es bleibt das modulare Angebot, das es immer war.
SAP Engagement Cloud, Enterprise Edition ist seit dem 19. Februar 2026 allgemein verfügbar. Sie zielt auf Konzerne mit mehreren Marken, Regionen oder Tochtergesellschaften und auf Unternehmen, die ihre Engagement-Plattform tief in den SAP-Stack integrieren wollen.
Funktions- und Modulvergleich
Der gemeinsame Kern umfasst, was Emarsys stark gemacht hat: E-Mail, Web, SMS, Mobile Push und In-App, Mobile Wallet, Digital Ads, das Automation Center, Segmentierung und Personalisierung.
| Fähigkeit | Emarsys Edition | Enterprise Edition |
|---|---|---|
| Kernkanäle (E-Mail, Web, SMS, Mobile, Ads) | Enthalten | Enthalten |
| Automation (Journeys, Programme), Segmentierung, Personalisierung | Enthalten | Enthalten |
| Predict-AI-Empfehlungen, Smart-Insight-Analytik, Loyalty | Enthalten / Add-on | Nicht in der FSD dokumentiert |
| Advanced Integration Capabilities | Kostenpflichtige Option | Enthalten* |
| Omnichannel Marketing Option | Kostenpflichtige Option | Enthalten* |
| E-Commerce Accelerator (+ Offline Stores) | Kostenpflichtige Optionen | Nicht in der FSD dokumentiert |
| Mobile App Marketing | Kostenpflichtige Option (eigene Metrik: Active Users) | Enthalten* |
| Account Engagement (B2B) | Kostenpflichtige Option | Enthalten* |
| Branchen-Accelerators (Consumer Products, Utilities, Travel) | Kostenpflichtige Optionen | Nicht in der FSD dokumentiert |
| Zusätzliche Business Units (weitere Tenants) | Kostenpflichtige Option | Nicht verfügbar |
| Business Areas (Multi-Brand-Governance in einem Tenant) | Nicht verfügbar | Exklusiv, GA |
| Joule (Kampagnensteuerung per natürlicher Sprache) | Nicht verfügbar | Exklusiv, Early Adopter |
| SAP CDP Audience Builder | Enthalten (GA) | Enthalten (GA) |
| SAP Business Data Cloud + Echtzeit-ERP-Signale | Nicht positioniert | Kern der Enterprise-Positionierung |
| RCS, Embedded Messaging, Universal Schema Builder | Pilot / Early Adopter | Pilot / Early Adopter |
| Test-/Dev-Tenant | Kostenpflichtiges Add-on | Kostenpflichtiges Add-on |
* SAP publiziert keine Editionen-Vergleichsmatrix, aber für die Enterprise Edition existiert eine offizielle Feature Scope Description im SAP Help Portal. Sie dokumentiert Kanäle, Automation, Segmentierung, Personalisierung, Content Management, B2B-Corporate-Accounts, Analytics, Business Areas und den Zugriff auf externe Datenbanken; Predict-Empfehlungen, Smart Insight, Loyalty und die Branchen-Accelerators nennt sie (noch) nicht. Die verbleibenden markierten “Enthalten”-Zellen sind eine begründete Ableitung aus der Preislistenstruktur (keine separaten Options-SKUs) und SAPs Release-Politik, kein verifizierter Anspruch. Den exakten Umfang für Ihr Szenario sollten Sie vor Vertragsabschluss mit SAP validieren.
Zwei strukturelle Punkte verdienen besondere Aufmerksamkeit, weil sie Architekturen verändern, nicht nur Rechnungen.
Multi-Entity: Business Units vs. Business Areas
Die Emarsys Edition skaliert auf mehrere Marken oder Tochtergesellschaften über zusätzliche Business Units: separate Tenants, pro Tenant lizenziert. Saubere Isolation, aber die Kosten summieren sich schnell, und die tenant-übergreifende Governance bleibt Ihre Aufgabe.
Die Enterprise Edition geht den umgekehrten Weg. Zusätzliche Tenants gibt es nicht als Enterprise-Add-on; die aktuelle Preisliste hängt an die Enterprise Edition genau zwei Positionen, einen Test-Tenant und Capacity Units. Multi-Entity läuft über Business Areas: ein Tenant, zentrale Marken-Governance, lokale Ausführung, Zugriffssteuerung pro Bereich; SAPs eigenes Material beschreibt das als Struktur- und Zugriffssteuerung innerhalb eines einzelnen Accounts. Für eine Gruppe mit Dutzenden Geschäftseinheiten ist das das stärkste funktionale Argument für die Enterprise Edition. Die Kehrseite: Wenn Ihre Compliance harte Tenant-Trennung pro Einheit verlangt, wird das ein individuelles Gespräch mit SAP statt einer Position auf der Preisliste.
Capacity Units: das Kleingedruckte
Die Enterprise Edition ergänzt das kontaktbasierte Abo um eine Verbrauchsmetrik: Capacity Units, eine Verhältniszahl konsumierter Services. Nota bene: SAPs öffentliche Unterlagen nennen weder das inkludierte Volumen noch die Umrechnung der Kanäle in Capacity Units. Lassen Sie sich vor einem Vertragsabschluss beides schriftlich geben. Wir haben genug verbrauchsbasierte Cloud-Verträge gesehen, um zu wissen: Eine undefinierte Metrik ist der Ort, an dem Budgets sterben.
Der Preisunterschied, in Prozent
SAP publiziert keine absoluten Preise, und wir tun das ebenfalls nicht (unser Preis-Guide nennt typische Bandbreiten). Relative Vergleiche auf Listenpreisbasis sind aber zulässig, und ehrlich gesagt nützlicher. Wir haben die Enterprise Edition gegen einen Emarsys-Stack verglichen, der mit den zwei Optionen ausgestattet ist, die Enterprise-Käufer ohnehin lizenzieren würden (Advanced Integration und Omnichannel), bei identischem Kontaktvolumen:
| Kontaktvolumen | Enterprise Edition vs. vergleichbar ausgestattete Emarsys Edition |
|---|---|
| ~200’000 | rund +100% |
| ~700’000 | rund +5% |
| ~1 bis 2 Millionen | +8 bis +12% |
| ~5 Millionen | rund −20% |
| ~10 Millionen und mehr | −30 bis −35% |
Gegen eine nackte Emarsys-Basis (ohne Optionen) kostet die Enterprise Edition je nach Volumen das 1.7- bis 4.5-Fache. Dieser Vergleich schmeichelt niemandem, ist aber relevant: Wer nur E-Mail plus Automation braucht, spielt mit der modularen Edition in einer ganz anderen Preisklasse.
Das Muster ist kein Zufall. Die Preiskurve der Enterprise Edition startet hoch und fällt steil; die der Emarsys Edition startet tief und fällt sanft. Die Kurven kreuzen sich bei rund 5 Millionen Kontakten. Unterhalb der Linie gewinnt die Modularität. Oberhalb gewinnt das Bündel, mit wachsendem Abstand.
Wann welche Edition?
Die Emarsys Edition passt, wenn:
- Ihr Kontaktvolumen unter rund 5 Millionen liegt und Sie nicht jedes Modul brauchen
- Sie eine Marke führen, oder wenige Marken, die separate Tenants vertragen
- Sie schlank starten und Optionen erst mit wachsendem Programm dazunehmen wollen
- Sie bereits Emarsys-Kunde sind und nichts zum Wechsel drängt: für Sie ändert sich nichts
Die Enterprise Edition passt, wenn:
- Sie viele Marken, Regionen oder Tochtergesellschaften mit zentraler Governance und lokaler Ausführung steuern wollen (Business Areas)
- Ihre Engagement-Strategie von SAP-Livedaten abhängt: Business Data Cloud, CDP-Audiences, Echtzeit-ERP-Signale wie Lieferverzögerungen, die Kommunikation auslösen
- Sie ohnehin die meisten Zusatzmodule lizenzieren würden und Ihr Volumen nahe am oder über dem Break-even liegt
- Joule-gestützte Kampagnensteuerung auf Ihrer Roadmap steht
Das ehrliche Fazit: Prima vista wirkt die Enterprise Edition wie die Premium-Wahl für alle, aber die Zahlen sagen, dass sie ein Skalenprodukt ist. Mittelständische B2C-Marken, also genau dort, wo Emarsys immer am stärksten war, holen mit der modularen Edition in der Regel mehr Wert pro Euro.
Keine Zwangsmigration
Ein Punkt verdient eine klare Aussage, weil wir die Sorge immer wieder hören: Es gibt keine Zwangsmigration. SAPs offizielle Linie lautet, dass bestehende Fähigkeiten verfügbar bleiben und Kunden neue Fähigkeiten schrittweise übernehmen. Keine angekündigte Frist, kein publizierter Upgrade-Leitfaden, für Bestandskunden aber eine angekündigte begleitete Transition inklusive Asset-Migration; Partnerquellen beschreiben den Wechsel als primär organisatorisch, mit überschaubarem technischem Aufwand statt Replatforming. Wer heute zufrieden auf der Emarsys Edition arbeitet, bleibt sinnvollerweise dort und prüft neu, wenn Volumen oder Governance-Bedarf sich den obigen Schwellen nähern.
Das Wichtigste in Kürze
- Zwei Editionen, eine Plattform: Der Unterschied liegt in Paketierung, Governance-Funktionen und Preismechanik, nicht in der Technologie
- Die Emarsys Edition bleibt modular; die Enterprise Edition ist ein einziges All-in-Abo, ergänzt Joule und Business Areas und wird von SAP um die native BDC/CDP-Integration herum positioniert
- Zusätzliche Tenants gibt es nur in der Emarsys Edition; die Enterprise Edition löst Multi-Entity über Business Areas in einem Tenant
- Auf Listenbasis kostet die Enterprise Edition bei Einstiegsvolumen rund das Doppelte eines vergleichbaren Emarsys-Stacks, nähert sich zwischen etwa 500’000 und 2 Millionen Kontakten auf rund 5 bis 12 Prozent an und gewinnt oberhalb von rund 5 Millionen mit 20 bis 35 Prozent
- Capacity Units sind öffentlich nicht definiert: Inkludierte Volumen vor Vertragsabschluss klären
- Keine Zwangsmigration zwischen den Editionen angekündigt
Wenn Sie die beiden Editionen für ein konkretes Szenario abwägen, rechnen wir gerne mit Ihnen, inklusive der Rabattverhandlung mit SAP. Dieser Teil der Übung ist de facto der Ort, an dem das meiste Geld gewonnen oder verloren wird.
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