SAP Engagement Cloud (ehemals SAP Emarsys): was sie kann, wie sie funktioniert und wann Sie sie brauchen
CEO Spadoom AG & Sprecher DSAG AG CX Schweiz
Die meisten Marketingplattformen geben Ihnen Werkzeuge und wünschen viel Glück. SAP Engagement Cloud (ehemals SAP Emarsys) gibt Ihnen Taktiken: fertige Kampagnenprogramme, bei denen Zeitpunkt, Kanalwahl und Personalisierungslogik bereits durchdacht sind. Dieser Unterschied entscheidet, wie schnell ein Marketingteam von «Plattform eingerichtet» zu «Kampagnen verdienen Geld» kommt.
Kurzfassung: SAP Engagement Cloud ist die Omnichannel-Engagement-Plattform von SAP und hiess bis zur Umbenennung am 19. Februar 2026 SAP Emarsys. Sie steuert E-Mail, SMS, Mobile Push und In-App, Web-Personalisierung, Wallet und Werbezielgruppen aus einem einzigen Kundenprofil, bringt eine Bibliothek vorgefertigter Taktiken mit und ordnet Kampagnen echtem Umsatz zu. Am meisten lohnt sie sich für B2C- und B2B2C-Unternehmen, die bereits SAP Commerce Cloud, S/4HANA oder SAP CDP einsetzen, denn dort liegen die Kundendaten, mit denen sie arbeitet.
Was ist SAP Engagement Cloud?
SAP Engagement Cloud ist die Ebene im SAP-CX-Portfolio, auf der Marketing ausgeführt wird. SAP hat Emarsys 2020 übernommen und das Produkt am 19. Februar 2026 in SAP Engagement Cloud umbenannt. Mit der Umbenennung kam eine zweite Edition: Das bestehende Produkt läuft als Emarsys Edition weiter, eine neue Enterprise Edition ergänzt Governance-Funktionen für Organisationen mit vielen Marken, Regionen und Teams. Laut SAP bleiben alle bisherigen Emarsys-Funktionen verfügbar, und Kunden übernehmen Neues in ihrem eigenen Tempo. Die Umbenennung behandeln wir ausführlich in SAP Emarsys heisst jetzt SAP Engagement Cloud, die Wahl der Edition in unserem Vergleich Emarsys Edition vs. Enterprise Edition.
In derselben Ankündigung verweist SAP darauf, dass die Plattform im Gartner Magic Quadrant 2026 für Personalization Engines berücksichtigt ist, und stellt sie in den Kontext der Daten aus SAP Business Data Cloud. Die Produktdokumentation finden Sie im SAP Help Portal.
Was unterscheidet sie von anderen Marketingplattformen?
Aus unserer Projekterfahrung sind es drei Dinge.
Vorgefertigte Taktiken. Statt einer leeren Arbeitsfläche bietet Engagement Cloud eine Bibliothek sofort einsetzbarer Programme, geordnet nach Ziel (Neukundengewinnung, Bindung, Rückgewinnung, Umsatz). Eine Warenkorbabbrecher-Taktik ist keine E-Mail-Vorlage, sondern eine vollständige Automatisierung mit Auslöser, Kanalfolge, Timing und Personalisierungsregeln. Sie passen Botschaft, Marke und Anreize an und starten. Gleichzeitig ist die Taktikbibliothek die am wenigsten genutzte Funktion, die wir sehen: Teams bauen wochenlang Abläufe nach, die es längst gibt.
Ein Profil für alle Kanäle. Jeder Kanal arbeitet mit demselben Kontaktprofil und denselben Segmenten. Wer Push ignoriert, aber E-Mails liest, wird per E-Mail erreicht, und wer gerade gekauft hat, bekommt keine Warenkorberinnerung mehr.
Umsatzzuordnung aus echten Transaktionen. Engagement Cloud verknüpft Kampagnenkontakte mit den Kaufdaten aus Ihrer Commerce-Plattform oder Ihrem ERP. Sie berichten Umsatz pro Kampagne und Kanal statt nur Öffnungen und Klicks, und das verändert das Gespräch mit der Finanzabteilung.
Was sind die Kernfunktionen?
Omnichannel-Kampagnen
- E-Mail für Batch-Kampagnen, ausgelöste Journeys und Transaktionsmails
- SMS für Werbe- und Servicenachrichten
- Mobile Push und In-App für App-Nutzer
- Web-Personalisierung mit dynamischen Inhalten auf Ihrer Website
- Mobile Wallet-Pässe
- Werbezielgruppen, synchronisiert mit Google, Meta und weiteren Werbeplattformen
Dynamische Segmentierung
Segmente kombinieren Kontaktmerkmale, E-Mail-Verhalten, Kaufhistorie, Webverhalten, Loyalty-Daten und Lebenszyklusphase und werden bei jeder Kampagne neu berechnet. «Gold-Mitglieder, die zweimal Wintermäntel angesehen, aber seit 30 Tagen nichts gekauft haben» ist ein einziges Segment, das sich selbst aktuell hält.
KI-gestützte Personalisierung
Engagement Cloud nutzt maschinelles Lernen auf Ihren eigenen Kundendaten für Produktempfehlungen, individuelle Versandzeitoptimierung und prädiktive Segmente wie Kaufwahrscheinlichkeit oder Abwanderungsrisiko. Die Modelle werden besser, je mehr Verhaltens- und Transaktionsdaten zusammenkommen. Datenqualität zählt deshalb mehr als jede einzelne Funktion.
Umsatzanalyse
Jede Kampagne weist neben Zustellbarkeit und Interaktion ihren zugeordneten Umsatz aus. Damit argumentiert das Marketing mit Zahlen aus dem Auftragssystem statt mit Ersatzkennzahlen.
Wie bauen Sie eine Kampagne in SAP Engagement Cloud?
Der häufigste Fehler, den wir sehen: direkt Kampagnen erstellen, bevor Segmentierung und Daten stimmen. Der Ablauf, der funktioniert, hat vier Schritte.
- Segmente aufbauen. Beginnen Sie mit den Daten, denen Sie vertrauen: Kaufhistorie, Lebenszyklusphase, Einwilligungsstatus. Dynamische Segmente bleiben ohne manuelle Exporte aktuell.
- Kampagnentyp wählen. Batch-Kampagnen gehen zu einem geplanten Zeitpunkt an ein Segment (Lancierungen, saisonale Aktionen, Newsletter) und unterstützen A/B-Tests. Ausgelöste Kampagnen reagieren auf ein Ereignis: abgebrochener Warenkorb, Erstkauf, Loyalty-Meilenstein, 60 Tage Funkstille. Sie schneiden durchgehend besser ab als Batch-Versände, weil sie im relevanten Moment ankommen. Transaktionsnachrichten (Bestellbestätigungen, Versandmeldungen) nutzen dieselbe Personalisierung.
- Inhalte personalisieren. Der visuelle Editor braucht keinen Code, und bedingte Inhaltsblöcke zeigen verschiedenen Segmenten in derselben Vorlage unterschiedliche Inhalte. Mit angebundenen SAP-Daten können Inhalte den Punktestand aus SAP Loyalty, zuletzt angesehene Produkte aus der Commerce Cloud oder den Auftragsstatus aus S/4HANA verwenden.
- Timing und Kanalreihenfolge festlegen. Die Versandzeitoptimierung wählt für jeden Kontakt den besten Zeitpunkt. Für Omnichannel-Journeys definieren Sie die Kaskade: keine Öffnung der E-Mail innert 24 Stunden, dann SMS, dann Push.
Den vollständigen Einführungsablauf beschreibt unser Leitfaden zur SAP-Emarsys-Einrichtung in acht Schritten.
Welche Taktiken sollten Sie zuerst aktivieren?
- Neukundengewinnung: Willkommensserie, Anreiz zum Erstkauf für Besucher, die nicht kaufen, Empfehlungsprogramm
- Bindung: Nachkauf-Serie, Geburtstags- und Jubiläumsnachrichten, Hinweise zum nächsten Loyalty-Status («noch 200 Punkte bis Gold»), Reaktivierung nach 30, 60 und 90 Tagen Inaktivität
- Rückgewinnung: gestaffelte Angebote für abgewanderte Kunden, Erinnerungen an verfallende Punkte
- Umsatz: Warenkorbabbruch, Browse-Abbruch, Nachkauferinnerungen für Verbrauchsgüter, Preisalarme für Produkte auf der Wunschliste
Unsere übliche Reihenfolge: zuerst Willkommensserie, Warenkorbabbruch und Nachkauf-Serie, weil sie auf Daten beruhen, die jeder Shop hat, und innert Wochen Ergebnisse zeigen.
Wie messen Sie den Erfolg?
Betrachten Sie vier Ebenen, in dieser Reihenfolge:
- Zustellbarkeit: zugestellt, Soft- und Hard-Bounces, Blockierungen. Kommen Nachrichten nicht im Posteingang an, ist alles andere egal. Planen Sie Domain-Authentifizierung (SPF, DKIM, DMARC) und IP-Warm-up vor dem ersten grossen Versand.
- Interaktion: Öffnungen, Klicks, Abmeldungen und ihr Muster nach Tageszeit.
- Umsatz: zugeordneter Umsatz pro Kampagne und Kanal aus echten Transaktionen.
- Wirkung auf den Lebenszyklus: Hat das Rückgewinnungsprogramm abgewanderte Kunden reaktiviert, hat die Nachkauf-Serie die Wiederkaufrate erhöht?
Wie stärkt SAP Engagement Cloud die Kundenbindung?
Loyalität, die einen Kunden Sie einer günstigeren Alternative vorziehen lässt, entsteht durch Relevanz, nicht durch Rabattcodes. Engagement Cloud macht Relevanz auf drei Wegen umsetzbar.
Lebenszyklusphasen. Jeder Kontakt wird automatisch einer Phase zugeordnet (Lead, Erstkäufer, aktiv, gefährdet, abgewandert), basierend auf Kaufhäufigkeit, Aktualität und Interaktion. Ein Erstkäufer bekommt eine richtige Begrüssung, ein Kunde, der seit 90 Tagen still ist, einen Grund zurückzukommen, und niemand muss Listen pflegen.
Prädiktive Signale. Kaufwahrscheinlichkeit, Abwanderungsrisiko und bevorzugter Kanal erlauben es, zu handeln, bevor ein Kunde geht, nicht danach. Dieser Wechsel von der reaktiven Rückgewinnung zur vorausschauenden Bindung verändert, wie ein Marketingteam plant.
Anbindung an SAP Loyalty. Sind SAP Loyalty und SAP CDP angebunden, lösen Statuswechsel, Prämienschwellen und verfallende Punkte automatisch die passende Kampagne aus, und jede Nachricht kann den aktuellen Punktestand und den Abstand zum nächsten Status enthalten. So wird ein Punkteprogramm vom Kostenblock zum Bindungsinstrument. Engagement Cloud funktioniert aber auch ohne formelles Loyalty-Programm: Kaufhistorie und Lebenszyklusphase genügen für Bindungskampagnen.
Die Bindungstaktiken, die wir am häufigsten einsetzen: eine Nachkauf-Serie (Bestätigung, Lieferung, Pflegetipps, Cross-Selling, Bewertungsanfrage), Nachrichten zu Meilensteinen, eine Reaktivierungskaskade, bei der jeder Schritt nur ausgelöst wird, wenn der vorherige nicht konvertiert hat, Nachkauferinnerungen auf Basis des durchschnittlichen Wiederkaufzyklus und Rückgewinnungsangebote, die aus der eigenen Kauf- und Surfhistorie des Kunden entstehen.
Wie fügt sie sich in die SAP-Landschaft ein?
Engagement Cloud arbeitet mit Daten, die anderswo liegen. Ihr Nutzen hängt deshalb an den Anbindungen:
- SAP Commerce Cloud: Produktkatalog, Warenkorb- und Bestellereignisse speisen Warenkorbauslöser, Empfehlungen und Umsatzzuordnung. Dieses Muster setzen wir am häufigsten um, und es zahlt sich am schnellsten aus.
- S/4HANA: Bestellhistorie, Lieferstatus und Kundenstammdaten sorgen dafür, dass Kampagnen abbilden, was tatsächlich passiert ist. Das Muster beschreiben wir in Engagement Cloud mit Verkaufsdaten aus S/4HANA Public Cloud versorgen.
- SAP Customer Data Platform: vereinheitlichte Profile und Zielgruppen aus Quellen ausserhalb des Marketings (Service, Offline-Käufe, Web). Siehe wann Sie SAP CDP wirklich brauchen.
- SAP Customer Data Cloud: Einwilligungen, die bei der Registrierung erfasst werden, gelten für jede Kampagne. Die Einhaltung von DSGVO und nDSG ist damit eingebaut statt nachträglich geprüft. Mehr dazu in unserem Leitfaden zur Customer Data Cloud.
Keine dieser Anbindungen gibt es geschenkt. Planen Sie für jede Datenmapping, Einwilligungsmodell, Fehlerbehandlung und Monitoring, bevor Sie die Gesamtkosten mit einem Standalone-Werkzeug vergleichen. Bei Miltenyi Biotec haben wir Marketing mit Commerce Cloud, Customer Data Cloud, S/4HANA und Service Cloud V2 zu einer Landschaft verbunden, und das Tempo bestimmte die Integrationsarbeit, nicht das Kampagnenwerkzeug.
Für wen ist SAP Engagement Cloud gedacht?
Gut geeignet:
- B2C- und B2B2C-Marken mit SAP Commerce Cloud, S/4HANA oder SAP CDP
- Unternehmen mit grossen Kontaktbeständen, die auf mehreren Kanälen aktiv sind
- Marketingteams, die bewährte Taktiken nutzen wollen, statt alles selbst zu bauen
- Unternehmen, die eine Umsatzzuordnung auf Basis von ERP-Transaktionen brauchen
Eher nicht geeignet:
- Kleine Teams, die nur E-Mail brauchen: Ein einfacheres Werkzeug ist günstiger
- Unternehmen ohne SAP und ohne SAP-Pläne, weil der Integrationsvorteil wegfällt
- App-zentrierte Marken, deren Engagement fast nur aus Push und In-App besteht
Den Vergleich mit Standalone-Werkzeugen finden Sie in SAP Emarsys vs. Standalone-Marketing-Automatisierung, die Budgets in unserem Preisleitfaden zur SAP Engagement Cloud. Wenn Sie einen Implementierungspartner suchen, nennt unsere Übersicht der SAP-Engagement-Cloud-Partner in der Schweiz und im DACH-Raum die Kriterien, die zählen. Spadoom verbindet Engagement Cloud mit den Commerce- und ERP-Daten, auf die sie angewiesen ist, mit einem Team für beide Seiten. Mehr auf unserer Lösungsseite zur SAP Engagement Cloud oder im direkten Gespräch.
Für Schweizer Unternehmen zeigt unsere Seite zur SAP CX Beratung Schweiz, wie SAP Engagement Cloud in eine CX-Landschaft passt, die wir mit einem Team liefern.
Häufige Fragen
Ist SAP Engagement Cloud dasselbe wie SAP Emarsys?
Ja. SAP hat SAP Emarsys am 19. Februar 2026 in SAP Engagement Cloud umbenannt. Das bestehende Produkt läuft als Emarsys Edition mit denselben Funktionen und Integrationen weiter, eine neue Enterprise Edition ergänzt Governance für Organisationen mit mehreren Marken und Regionen.
Worin unterscheidet sie sich von einem gewöhnlichen E-Mail-Marketing-Werkzeug?
Ein E-Mail-Werkzeug deckt einen Kanal ab. SAP Engagement Cloud steuert E-Mail, SMS, Push, In-App, Web, Wallet und Werbezielgruppen aus einem Kundenprofil, liefert vorgefertigte Taktiken statt nur Vorlagen, ergänzt KI-gestützte Empfehlungen und Versandzeitoptimierung und ordnet Umsatz aus echten Commerce- oder ERP-Transaktionen zu.
Setzt SAP Engagement Cloud SAP Commerce Cloud voraus?
Nein. Sie funktioniert über APIs und Konnektoren auch mit anderen E-Commerce-Plattformen. Ihre stärksten Vorteile (Katalogsynchronisation, Bestellereignisse in Echtzeit, ERP-basierte Umsatzzuordnung) entstehen aber aus SAP-Daten. Ohne SAP steht der Business Case allein auf den Marketingfunktionen.
Welche Kampagnentypen gibt es?
Batch-Kampagnen, die zu einem geplanten Zeitpunkt an ein Segment gehen, ausgelöste Kampagnen, die auf Ereignisse wie einen Warenkorbabbruch oder einen Statuswechsel reagieren, und Transaktionsnachrichten wie Bestellbestätigungen. Ausgelöste Kampagnen funktionieren meist am besten, weil sie genau dann ankommen, wenn sie relevant sind.
Verbessert sie die Kundenbindung auch ohne Loyalty-Programm?
Ja. Lebenszyklusphasen, Kaufhistorie, Surfverhalten und Abwanderungsprognosen tragen Bindungskampagnen auch allein. Mit SAP Loyalty kommen Punkte, Status und Prämien als zusätzliche Auslöser und Personalisierungsdaten dazu.
Wie lange dauert eine Einführung?
Eine Standardeinführung mit Kontokonfiguration, Datenintegration, ersten Taktiken und Schulung dauert typischerweise 6 bis 10 Wochen. Projekte mit Anbindung von SAP Commerce Cloud, S/4HANA und mehreren Kanälen dauern länger, typischerweise 10 bis 16 Wochen, vor allem abhängig von Datenqualität und Anzahl der Integrationen.
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