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SAP Customer Data Platform: Wann Sie sie wirklich brauchen
Architecture · ·6 Min. Lesezeit

SAP Customer Data Platform: Wann Sie sie wirklich brauchen

Spadoom Editorial

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SAP CX Practice

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Jede SAP CX-Verkaufspräsentation kommt irgendwann zur Customer Data Platform. «Sie brauchen einheitliche Kundenprofile.» «Sie brauchen Consent Management.» «Sie brauchen Echtzeit-Segmentierung.» Und die Folie sieht aus wie aus dem Lehrbuch: ein perfekter Kreis, der jeden Touchpoint verbindet.

Die Realität ist differenzierter. CDP ist ein leistungsstarkes Produkt. Es löst ein spezifisches Problem. Und die meisten mittelständischen Unternehmen haben dieses Problem nicht. Manche Grossunternehmen auch nicht.

Eine CDP zu kaufen, weil sie auf einem Architekturdiagramm aufgetaucht ist, gehört zu den teureren Fehlern im SAP CX-Portfolio. Also ehrlich: Wann brauchen Sie sie wirklich?

Was SAP CDP wirklich macht

Drei Dinge. Nicht mehr, nicht weniger.

Erstens: Einheitliche Kundenprofile. CDP sammelt Kundendaten aus CRM, Commerce, Marketing, Service Desk, POS, Mobile App und vereinigt sie in einem Profil pro Kunde. Das heisst nicht einfach Datensätze in eine Datenbank legen. CDP macht Identity Resolution: «john.smith@company.com» aus E-Mail-Kampagnen wird mit «John Smith, Konto #4521» im ERP und «anonymer Besucher #a8f3» auf Ihrer Website zusammengeführt. Verschiedene Identifikatoren, dieselbe Person.

Zweitens: Consent und Data Governance. CDP verfolgt, welche Daten Sie verwenden dürfen, für welchen Zweck, basierend auf der Einwilligung. DSGVO, DSG und andere Regulierungen verlangen das. CDP macht es operativ: jede Kampagne, jede Personalisierung, jeder Datenexport respektiert das Consent-Profil.

Drittens: Audience-Segmentierung und Aktivierung. Profile sind vereinheitlicht, Consent ist verwaltet. Jetzt können Sie Segmente erstellen («Kunden, die Produkt A in den letzten 90 Tagen gekauft haben, für E-Mail eingewilligt haben und seit 30 Tagen nicht auf der Website waren») und diese an Emarsys, SAP Commerce, Google Ads oder jeden verbundenen Kanal pushen.

Wann Sie CDP wirklich brauchen

CDP rechtfertigt ihre Kosten in spezifischen Szenarien. Hier sind die echten.

Ihre Kundendaten liegen in 5+ Systemen

Sales Cloud V2, Commerce Cloud, Emarsys, Legacy-ERP, POS, Kundenservice-Tool. Sechs Systeme. Der Vertrieb sieht eine Version des Kunden. Marketing eine andere. Service eine dritte. Das ist ein Daten-Fragmentierungsproblem.

CDP erstellt das eine Profil, auf das alle zugreifen können. Ohne CDP pflegen Sie Duplikate, und jede «personalisierte» Kampagne arbeitet mit unvollständigen Daten.

Die Schwelle: 2-3 gut integrierte Systeme (z. B. Sales Cloud + Emarsys mit nativem Sync)? CDP brauchen Sie wahrscheinlich nicht. 5+ Systeme mit verschiedenen Identifikatoren und keiner Single Source of Truth? CDP wird sinnvoll.

Sie operieren über mehrere Touchpoints

Website, physische Läden, Mobile App, E-Mail, SMS, Social. Kundeninteraktionen verstreut über Systeme, die nicht miteinander sprechen.

CDP verbindet diese Punkte. Kunde schaut ein Produkt in der App an, besucht den Laden ohne zu kaufen, bekommt eine gezielte E-Mail mit dem richtigen Angebot. Diese Journey funktioniert nur, wenn etwas die Punkte verbindet.

Wenn Sie über einen einzelnen Kanal verkaufen (B2B-Direktvertrieb über Sales Cloud), ist die Touchpoint-Komplexität zu gering für CDP.

EU (DSGVO), Schweiz (DSG), Kundendaten über mehrere Systeme. Consent Management ist nicht optional.

CDP speichert nicht nur Consent. Sie setzt ihn durch. Kunde widerruft Einwilligung für Marketing in einem Kanal: CDP propagiert den Widerruf über alle verbundenen Systeme. Ohne CDP verlassen Sie sich auf manuelle Prozesse oder Custom-Integration. Das ist ein Compliance-Risiko.

Wenn ein System Consent adäquat abdeckt (Emarsys für Marketing-Einwilligungen), brauchen Sie CDP dafür nicht. Wenn Consent über 4+ Systeme koordiniert werden muss, wird CDP praktisch.

Sie wollen echte Personalisierung

«Personalisierung» heisst in den meisten Tools «Hallo {Vorname}.» Per se keine Personalisierung. Echte Personalisierung heisst: Dieser Kunde hat Industrie-Kaffeemaschinen gekauft, hat einen Servicevertrag der in 60 Tagen ausläuft, hat gestern die Zubehörseite besucht und sollte eine E-Mail über das Premium-Wartungs-Upgrade bekommen. Keinen generischen Newsletter.

Das braucht ein einheitliches Profil: Transaktionsdaten, Verhaltensdaten, Vertragsdaten, Kommunikationspräferenzen. CDP erstellt und pflegt dieses Profil.

Einfache Personalisierung (Segmentierung nach Kaufhistorie, relevante E-Mails senden)? Emarsys allein reicht. 5+ Quellen für Echtzeit-Personalisierung? CDP.

Wann Sie CDP nicht brauchen

Hier verliere ich Punkte bei SAPs Vertriebsteam: Die meisten Unternehmen, mit denen wir sprechen, brauchen CDP nicht. Noch nicht.

Ihre Kundenbasis ist klein

10’000 Kunden, Einkanal-Vertrieb? CDP ist Over-Engineering. Ihr CRM kennt diese Kunden. CDP fügt Kosten und Komplexität hinzu, ohne verhältnismässigen Nutzen. CDP liefert ROI ab Hunderttausenden Profilen über mehrere Kanäle.

Sie haben ein oder zwei Datenquellen

CDP ist Vereinheitlichung. Kundendaten in Sales Cloud V2 und Emarsys? Zwei Systeme mit nativer Integration. Wenig zu vereinheitlichen. Die Daten fliessen bereits.

Commerce-Plattform, POS, Mobile App und Service-Tool dazu? Jetzt haben Sie ein Vereinheitlichungsproblem.

Rein B2B mit Direktvertrieb

Definierte Menge an Accounts, Direktvertrieb. Die Touchpoint-Komplexität, die CDP rechtfertigt, ist nicht da. Vertriebler kennen die Kunden. Daten liegen im CRM. Segmentierung passiert im Vertriebsplanungsprozess.

Ausnahmen existieren: B2B mit Tausenden von KMU-Kunden, E-Commerce-Kanälen, komplexen Distributionsnetzwerken. Da hilft CDP absolut. Aber das Standard-Szenario «50 Enterprise-Accounts, 10 Vertriebler»? CRM reicht.

Datenqualität nicht im Griff

Der am meisten übersehene Punkt. CDP vereinheitlicht Daten. Sie bereinigt sie nicht. CRM mit doppelten Kontakten, ERP mit inkonsistenter Namensgebung, Marketing-Tool das Bounces als aktiv markiert: CDP vereinheitlicht dieses Durcheinander zu einem einheitlichen Durcheinander.

Datenqualität zuerst. Dann CDP.

Der Entscheidungsrahmen

Fünf Fragen:

  1. Wie viele Systeme halten Kundendaten? Weniger als 4: CDP wahrscheinlich nicht nötig. 5+: Evaluation lohnt sich.
  2. Wie viele Engagement-Kanäle? Ein oder zwei: CRM + Marketing reicht. Vier+: CDP bringt Mehrwert.
  3. Wie viele Kundenprofile? Unter 50’000: vermutlich überdimensioniert. Über 200’000: CDP liefert ROI.
  4. Consent systemübergreifend koordiniert? Manuell: CDP reduziert Risiko. Von einem System abgedeckt: CDP dafür nicht nötig.
  5. Datenqualität solide? Nein: zuerst bereinigen. Ja: CDP kann darauf aufbauen.

3+ Fragen mit «CDP nötig» beantwortet? Ernsthafte Evaluation. Nur 1-2? Mehr aus den bestehenden Tools rausholen.

Ein phasenweiser Ansatz

Selbst wenn CDP die richtige Antwort ist: muss nicht am ersten Tag sein.

Phase 1: Sales Cloud V2 und/oder Emarsys implementieren. CRM und Marketing-Automation zum Laufen bringen.

Phase 2: Systeme nativ verbinden. Datenqualität validieren. Profillücken identifizieren.

Phase 3: CDP ergänzen, wenn die Use Cases klar sind, die Daten sauber und das Unternehmen die Reife hat, einheitliche Profile operativ zu nutzen.

Dieser Ansatz beweist Wert bei jedem Schritt. Und die CDP-Entscheidung basiert auf echter Erfahrung statt auf PowerPoint-Architekturdiagrammen.

Unsere ehrliche Position

Wir implementieren SAP CDP. Wir haben gesehen, was es für Unternehmen mit echter Datenkomplexität bewirkt. Aber wir haben mehr Kunden von CDP abgeraten als dazu.

Die beste CDP-Implementierung beginnt mit «Welches Problem lösen wir?» Nicht mit «Die Architektur sagt, wir brauchen dieses Kästchen.»

Wenn Sie evaluieren, ob CDP zu Ihrer Situation passt: Sprechen wir darüber. Wir geben Ihnen eine ehrliche Antwort. Auch wenn sie «noch nicht» lautet.

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