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GROW with SAP oder RISE with SAP: Was in den Paketen steckt und für wen sie gedacht sind
Strategy · ·8 Min. Lesezeit

GROW with SAP oder RISE with SAP: Was in den Paketen steckt und für wen sie gedacht sind

Pascal Strnad

Pascal Strnad

SAP S/4HANA Public Cloud Specialist Seller, Spadoom AG

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TL;DR: GROW with SAP ist das Paket von SAP für Firmen, die neu bei SAP sind, und baut auf S/4HANA Cloud Public Edition auf. RISE with SAP ist das Paket für bestehende SAP-Kunden, die ein On-Premises-ERP verlassen, mit der Public oder der Private Edition im Kern. Beides sind Abonnements. Die eigentliche Entscheidung liegt unter dem Paket: Public Edition (SAP-Standard, SAP liefert die Releases) oder Private Edition (mehr Raum für eigenen Code, mehr Verantwortung). Wählen Sie die Edition, dann ergibt sich das Paket fast von selbst.

Ich war mehr als zwölf Jahre bei SAP, bevor ich zu Spadoom kam. Die Frage, die ich von mittelständischen Firmen am häufigsten gehört habe, drehte sich nie um Funktionen. Sie lautete: «GROW oder RISE, was ist für uns?» Ehrlich gesagt ist die Frage leicht verkehrt herum gestellt. GROW und RISE sind kommerzielle Pakete. Womit Sie die nächsten zehn Jahre leben, ist die Edition darin.

Hier steht, was in jedem Paket steckt, wie sich die beiden Editionen unterscheiden, wie die Lizenzlogik funktioniert und woran Sie erkennen, was auf Ihre Shortlist gehört.

Die kurze Antwort

  • Neu bei SAP, Cloud-ERP auf dem Standard gewünscht: GROW with SAP mit der Public Edition.
  • SAP ECC oder S/4HANA On-Premises im Einsatz, Umzug in die Cloud geplant: RISE with SAP, meist mit der Private Edition, manchmal mit der Public Edition.
  • Schweizer Tochter einer Gruppe, die SAP nutzt: meist die Public Edition als zweite Stufe, eingekauft so, wie die Gruppe bei SAP einkauft.

SAP formuliert die Trennung auf seiner SAP-GROW-Seite selbst: GROW ist für Neukunden gedacht, während RISE «SAP Cloud ERP oder SAP Cloud ERP Private im Kern» haben kann und sich an bestehende SAP-Kunden richtet, die von On-Premises-Umgebungen migrieren.

Ein Wort zu den Namen, weil SAP gern umbenennt: S/4HANA Cloud Public Edition heisst im Marketing heute SAP Cloud ERP, die Private Edition SAP Cloud ERP Private, und GROW with SAP erscheint auf sap.com als SAP GROW. Es sind dieselben Produkte.

Was in GROW with SAP steckt

Laut SAP ist GROW der Einstieg in das Cloud-ERP von SAP und baut auf S/4HANA Cloud Public Edition auf. Konkret umfasst das Paket:

  • Das ERP selbst mit Finanzen, Supply Chain und HR. HR läuft über SAP SuccessFactors und ist mit den Finanzen integriert.
  • Vorkonfigurierte Best Practices für mehr als 25 Branchen, dazu Joule, den KI-Assistenten von SAP, in allen drei Bereichen.
  • Die Werkzeugkette für die Einführung: SAP Activate als Methode, ein Digital Discovery Assessment zur Vorauswahl des Umfangs, SAP Central Business Configuration für die Einrichtung und SAP Cloud ALM für das Projekt.
  • SAP GROW Fast: ein vordefinierter Umfang, den zertifizierte Partner für einen schnellen, standardisierten Start umsetzen.
  • Betrieb durch SAP: SAP nennt eine Verfügbarkeit von 99,9 % und liefert Updates für Steuern, gesetzliches Reporting und Behördenmeldungen in 60 Ländern.

Was GROW nicht erlaubt: Änderungen am ERP-Kern. Erweiterungen nutzen die freigegebene Erweiterbarkeit der Public Edition oder laufen nebenan auf SAP BTP. Wenn Ihr Geschäft auf zwanzig Jahren eigenem ABAP-Code beruht, ist GROW das falsche Vehikel, oder der eigene Code muss weg.

Was in RISE with SAP steckt

Laut SAP ist RISE ein begleiteter Weg von einem On-Premises-ERP von SAP (ECC oder S/4HANA) in das Cloud-ERP von SAP. Die Bausteine:

  • Das Cloud-ERP, meist die Private Edition, betrieben in einer von SAP verwalteten Cloud.
  • Werkzeuge für die Transformation: Business-Transformation-Management-Werkzeuge zur Analyse und Vereinheitlichung der Prozesse und sieben KI-gestützte Migrationsassistenten (Systemanalyse, Eigenentwicklungen, Datenmanagement, Konfiguration, Testmanagement, Rollout und Projektmanagement).
  • Umgang mit Eigenentwicklungen: Der Custom-Code-Assistent analysiert Ihren Z-Code und zeigt, was der Standard ersetzen kann, was angepasst werden muss und was bleibt.
  • KI-Aktivierung: Auf der Private Edition bietet SAP die Aktivierung von bis zu drei Joule-Assistenten ohne Zusatzkosten an.

Für ECC-Kunden zählt der Zeitpunkt. Gemäss der Wartungsstrategie für Business Suite 7 endet die Mainstream-Wartung für ECC Ende 2027. Für grosse, komplexe Systeme hat SAP innerhalb von RISE eine Transition Option geschaffen, die unter strengen Bedingungen Zeit bis 2033 verschafft. Unser ECC-2027-Hub listet alle Fristen mit Quellen.

Public oder Private Edition: die Entscheidung darunter

Das Paket ist der Vertrag. Die Edition ist das System, mit dem Sie arbeiten. Diese Unterschiede spüren Sie im Alltag:

Public Edition (SAP Cloud ERP) Private Edition (SAP Cloud ERP Private)
Typisches Paket GROW with SAP, manchmal RISE RISE with SAP
Typischer Ausgangspunkt Neueinführung auf dem Standard Bestehendes SAP-ERP, migriert oder konvertiert
Eigener Code Freigegebene Erweiterbarkeit im System, Apps auf SAP BTP Raum für eigene Anpassungen, idealerweise Clean Core
Releases SAP liefert zwei Releases pro Jahr an alle Kunden Update-Rhythmus gemäss Ihrem RISE-Vertrag
Wer passt sich wem an Ihre Prozesse folgen SAP Best Practices Das System kann sich stärker an Ihre Prozesse anpassen

Die Stärke der Public Edition ist zugleich ihre Forderung: Sie übernehmen den SAP-Standard und den Release-Rhythmus von SAP. Aktuell heisst das zwei Releases pro Jahr, in SAP Help als 2602 und 2608 geführt. Wer damit leben kann, erhält ein System, das ohne Upgrade-Projekte aktuell bleibt. Wer nicht damit leben kann, sollte es nicht erzwingen.

Das ganze Produktbild steht auf unserer Seite zu S/4HANA Public Cloud.

Wie die Lizenzierung funktioniert

Beide Pakete sind Abonnements. Eine Kauflizenz mit Wartungsgebühr wie in der ECC-Welt gibt es nicht.

GROW verkauft Pakete nach Geschäftsbereich. Die FAQ von SAP beschreibt ein Abonnement, bei dem Sie mit Finanzen, Supply Chain oder HR starten und später modular erweitern, ohne neu einzuführen.

RISE bündelt das ERP-Abonnement mit Transformationsleistungen und der von SAP verwalteten Infrastruktur. Was genau enthalten ist, steht im Vertrag, und den sollten Sie Zeile für Zeile durchgehen.

Benutzer werden häufig in Full Use Equivalents (FUE) gezählt: Benutzertypen vom Self-Service bis zum Advanced User werden mit festen Faktoren in Anteile eines vollen Benutzers umgerechnet, wie SAPinsider erklärt. Metriken und Faktoren können sich zwischen Vertragsgenerationen unterscheiden. Massgeblich sind die Definitionen in Ihrem aktuellen Bestellformular, nicht in einer alten Präsentation.

Drei Dinge sage ich jedem Kunden vor einer Verhandlung:

  1. Zählen Sie Benutzertypen ehrlich. Die meisten Kostenüberraschungen entstehen bei Benutzern, die als gelegentlich eingestuft wurden und in Wahrheit täglich Belege erfassen.
  2. Rechnen Sie den Umfang, den Sie im zweiten Jahr nutzen, nicht nur den zum Go-live. Pakete später zu ergänzen ist einfach, gehört aber vom ersten Tag an in den Business Case.
  3. Legen Sie Einführung, Lohn und Schnittstellen neben das Abonnement. In einer Fünfjahressicht ist das Abonnement selten der grösste Posten.

Was auf Ihre Shortlist gehört

Sie sind neu bei SAP

Starten Sie mit GROW und der Public Edition. Dafür hat SAP es gebaut, und nach unserer Erfahrung fahren mittelständische Firmen am besten, wenn sie den Standard übernehmen, statt ihr altes System im neuen nachzubauen. Wenn Sie noch prüfen, ob SAP überhaupt passt: Unsere Vergleiche mit Microsoft Dynamics 365 Business Central, Abacus und Oracle NetSuite sagen offen, wann ein anderes ERP besser passt.

Sie betreiben SAP ECC

RISE ist für Sie gebaut, aber lassen Sie nicht das Paket die Edition wählen. Stellen Sie zuerst zwei Fragen. Wie viel Ihres eigenen Codes verdient sein Geld noch? Und sind Sie bereit, Prozesse an den Standard anzupassen? Lauten die Antworten «wenig» und «ja», lohnt ein Neustart auf der Public Edition einen ernsthaften Blick, auch innerhalb von RISE.

Sie sind die Schweizer Tochter einer SAP-Gruppe

Die Public Edition als zweite Stufe ist oft die sauberste Antwort: Die Tochter erhält ein vollständiges, aktuelles ERP, während die Zentrale ihr System behält. Unser Beitrag zu Two-Tier-ERP mit S/4HANA Public Cloud beschreibt die vier Entscheidungen, die darüber bestimmen.

Drei Missverständnisse, die ich immer wieder höre

«RISE ist für Grosse, GROW für Kleine.» Nein. Die Trennung folgt der Herkunft (neu bei SAP oder bestehender SAP-Kunde), nicht der Grösse.

«Mit der Public Edition können wir nichts erweitern.» Falsch. Den Kern ändern Sie nicht, aber Sie erweitern mit freigegebenen Werkzeugen im System und mit Side-by-Side-Apps auf SAP BTP. Das ist Disziplin, kein Verbot.

«Das Paket entscheidet die Edition.» Nur teilweise. Auch RISE kann die Public Edition tragen. Wählen Sie die Edition nach der Sache, dann den Vertrag.

Wo Sie anfangen

Wenn Sie eine klare Antwort für Ihre Firma wollen: Unser S/4HANA Readiness Assessment dauert fünf Tage, kostet einen Festpreis und wird an die Transformation angerechnet, wenn Sie diese beauftragen. Es klärt Edition, Paket und einen realistischen Umfang. Oder melden Sie sich direkt, und ich gehe die Lizenzlogik mit Ihren Zahlen durch.

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