Cloud-Computing: die Vorteile, die wirklich zählen (und was sie für Ihr ERP bedeuten)
SAP S/4HANA Public Cloud Specialist Seller, Spadoom AG
Jede Cloud-Präsentation zählt dieselben Vorteile auf: Skalierbarkeit, Flexibilität, tiefere Kosten. Das stimmt alles, hilft aber wenig, wenn Sie entscheiden müssen, was umziehen soll. Die nützlichen Fragen lauten: Welche Vorteile zählen in Ihrer Lage, welches Servicemodell passt zu welcher Anwendung, und wann bleiben Sie besser, wo Sie sind?
Kurzfassung: Die Cloud gibt es in drei Servicemodellen: IaaS (Sie betreiben alles oberhalb der Server), PaaS (Sie betreiben nur Ihre Anwendungen, etwa auf SAP BTP) und SaaS (Sie nutzen eine fertige Anwendung, etwa S/4HANA Public Cloud). Am meisten zählen eine Kostenstruktur, die der Nutzung folgt, elastische Kapazität, ein Sicherheits- und Verfügbarkeitsniveau, das die meisten Unternehmen nicht selbst aufbauen können, und Tempo. Die Cloud ist nicht immer günstiger. Beim ERP lautet die eigentliche Entscheidung, wie viel SAP-Standard Sie übernehmen wollen.
Was sind IaaS, PaaS und SaaS?
Die drei Servicemodelle unterscheiden sich darin, wer welche Schicht verwaltet. Jede Schicht, die Sie selbst verwalten, müssen Sie auch absichern, patchen und bei Störungen reparieren.
IaaS (Infrastructure as a Service). Der Anbieter stellt virtuelle Maschinen, Speicher und Netzwerk bereit. Sie verwalten Betriebssystem, Middleware, Anwendungen und Daten. Beispiele: AWS EC2, Azure Virtual Machines, Google Compute Engine. Typischer Einsatz: bestehende Anwendungen unverändert von eigenen Servern wegholen.
PaaS (Platform as a Service). Der Anbieter verwaltet zusätzlich Betriebssystem und Laufzeitumgebung. Sie entwickeln und betreiben Anwendungen. Beispiel aus unserer Arbeit: eigene Erweiterungen für Sales Cloud V2 oder S/4HANA, gebaut mit SAP CAP auf SAP BTP. Die Plattform kümmert sich um Skalierung und Verfügbarkeit, niemand fasst einen Server an. Wie BTP aufgebaut ist, erklärt die fünf Säulen von SAP BTP.
SaaS (Software as a Service). Der Anbieter betreibt die ganze Anwendung. Sie konfigurieren und nutzen sie. Beispiele: S/4HANA Public Cloud, SAP Sales Cloud V2, SAP Concur, Microsoft 365.
Die meisten Unternehmen nutzen alle drei gleichzeitig. Eine sinnvolle Reihenfolge: mit SaaS beginnen, auf PaaS ausweichen, wenn sich SaaS nicht passend konfigurieren lässt, und nur dann auf IaaS zurückgreifen, wenn die Grenzen einer Plattform Sie blockieren.
Welche Cloud-Vorteile zählen wirklich?
Kosten, die der Nutzung folgen. Die Cloud macht aus Investitionen Betriebsausgaben. Sie kaufen keine Server auf eine Kapazitätsschätzung hin, die Rechnung folgt der Nutzung. Ein gescheitertes Projekt kostet ein paar Monate Abonnement, nicht jahrelange Abschreibungen auf ungenutzte Hardware.
Elastische Kapazität. On-Premise dimensionieren Sie entweder auf die Durchschnittslast und leiden bei Spitzen, oder auf die Spitzenlast und bezahlen ungenutzte Kapazität. Die Cloud wächst für die Saisonspitze mit und schrumpft danach wieder. Händler mit einem starken November spüren das am deutlichsten.
Ein Sicherheitsniveau, das Sie selbst nicht erreichen würden. Grosse Anbieter betreiben physisch geschützte, zertifizierte Rechenzentren mit Überwachung rund um die Uhr. Die Verantwortung ist geteilt: Der Anbieter sichert die Infrastruktur, Sie sichern Zugriffe, Konfiguration und Daten. Die meisten Cloud-Vorfälle entstehen durch Fehlkonfiguration, nicht beim Anbieter.
Tempo. Ein neues Testsystem, eine Integrationslaufzeit oder eine Entwicklungsumgebung steht in Minuten oder Stunden bereit statt nach einem Beschaffungszyklus für Hardware. Das verändert, wie Projekte geplant werden.
Kontinuität. Backups, Replikation über Rechenzentren und Verteilung über Verfügbarkeitszonen gehören zum Standard. Dieselbe Ausfallsicherheit On-Premise bedeutet ein zweites Rechenzentrum, das sich kaum ein mittelgrosses Unternehmen leisten kann.
Zugang zu neuen Fähigkeiten. KI-Dienste, Analysen und Integrationsplattformen gibt es als Service. Ein Unternehmen mit 50 Mitarbeitenden erhält dieselben Bausteine wie ein grosser Konzern, nur in kleinerer Portion.
Wann ist die Cloud nicht die richtige Antwort?
- Gleichmässig hohe Last. Läuft dieselbe Last rund um die Uhr unter Volllast, kann eigene Hardware über fünf Jahre oder mehr günstiger sein.
- Strenge Datenhoheit. Manche Vorschriften verlangen physische Kontrolle über den Speicherort. Regionale Rechenzentren helfen, aber nicht immer genug.
- Sehr geringe Latenz. Maschinensteuerungen und ähnliche Systeme vertragen den Weg übers Netz nicht.
- Kürzliche Infrastrukturinvestition. Wenn Sie Ihr Rechenzentrum gerade erneuert haben, nutzen Sie es und planen Sie den Umzug für den nächsten Zyklus.
Beurteilen Sie jede Anwendung für sich. Manche gehören in SaaS, manche auf eine Plattform, einige wenige bleiben On-Premise.
Was bedeutet das für Ihr ERP?
Bei SAP ERP geht es in der Cloud-Frage weniger um Infrastruktur als darum, wie Sie Ihr Geschäftssystem betreiben wollen:
S/4HANA Public Cloud ist SaaS. SAP betreibt und aktualisiert es für alle Kunden, Sie arbeiten mit den Standardprozessen von SAP und sauberen Erweiterungen. Sie erhalten alle Cloud-Vorteile, sofern Ihre Prozesse mit dem Standard leben können.
S/4HANA Cloud Private Edition, meist über RISE with SAP, ist ein eigenes System, das SAP auf einem Hyperscaler betreibt. Sie behalten mehr Raum für Eigencode und planen Upgrades selbst.
SAP BTP ist die PaaS neben beiden Editionen. Integrationen, Erweiterungen und eigene Apps liegen dort, damit der ERP-Kern sauber bleibt. SAP nennt dieses Prinzip Clean Core und beschreibt, wie sich S/4HANA Cloud erweitern lässt, ohne Upgrades zu gefährden (SAP News).
Die Varianten vergleichen wir ausführlich in unserem Leitfaden zu den S/4HANA-Betriebsmodellen. Spadoom implementiert S/4HANA Public Cloud, die CX-Systeme darum herum und die BTP-Erweiterungen dazwischen mit einem Team. Der Transformationsleitfaden zeigt die Zielarchitektur, und unser Überblick über Partner für Cloud ERP und CRM erklärt, warum sich ein Team für beide Seiten lohnt.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen IaaS, PaaS und SaaS?
Es geht darum, wer welche Schicht verwaltet. Bei IaaS betreibt der Anbieter Server, Speicher und Netzwerk, Sie verwalten Betriebssystem, Software und Daten. Bei PaaS betreibt der Anbieter zusätzlich Betriebssystem und Laufzeitumgebung, Sie entwickeln und betreiben nur Ihre Anwendungen, etwa auf SAP BTP. Bei SaaS betreibt der Anbieter die ganze Anwendung, etwa S/4HANA Public Cloud oder SAP Concur, und Sie konfigurieren und nutzen sie.
Ist Cloud-Computing immer günstiger als On-Premise?
Nein. Die Cloud ist meist günstiger bei schwankender Last, bei kleinen und mittleren Umgebungen und für Unternehmen ohne eigenes Rechenzentrumsteam. Bei grossen, gleichmässigen Lasten kann eigene Hardware über fünf Jahre oder mehr günstiger sein. Vergleichen Sie die Gesamtbetriebskosten über die erwartete Lebensdauer, inklusive Betrieb, Upgrades und Personal, nicht eine Monatsgebühr mit einem Kaufpreis.
Ist die Cloud zuverlässig und sicher genug für kritische Systeme?
Für die meisten Unternehmen ja. Grosse Anbieter betreiben redundante Rechenzentren, sind etwa nach ISO 27001 und SOC 2 zertifiziert und beschäftigen Sicherheitsteams, die kein mittelgrosses Unternehmen selbst aufbauen könnte. Die meisten Vorfälle entstehen durch Fehlkonfiguration auf Kundenseite, nicht beim Anbieter. Prüfen Sie die Verfügbarkeitszusagen und Rechenzentrumsstandorte, und behalten Sie Zugriffsrechte und Konfiguration selbst im Griff.
Wie steht es um die Abhängigkeit vom Anbieter?
Sie ist real, aber beherrschbar. Setzen Sie Standardtechnologien ein, wo sie genügen, und akzeptieren Sie anbieterspezifische Dienste, wo sie klaren Nutzen bringen, etwa die vorgefertigten Integrationsinhalte von SAP. Bei SaaS ist der Clean Core der praktische Schutz: Standardprozesse und dokumentierte Erweiterungen lassen sich viel leichter umziehen oder aktualisieren als ein stark modifiziertes System.
Was ist der Unterschied zwischen Public und Private Cloud?
Die Public Cloud teilt die Infrastruktur zwischen vielen Kunden und wird vom Anbieter betrieben. Die Private Cloud ist einem Kunden vorbehalten, gehostet bei einem Anbieter oder im eigenen Rechenzentrum. Für SAP ERP entspricht das S/4HANA Public Cloud (geteiltes SaaS, SAP-Standardprozesse) und S/4HANA Cloud Private Edition (eigenes System mit Raum für Eigencode).
Sollten wir alles in die Cloud verlagern?
Beurteilen Sie jede Anwendung einzeln. Geschäftsanwendungen wie ERP, CRM und Spesen gehören meist in SaaS. Eigene Logik und Integrationen passen auf eine PaaS wie SAP BTP. Einige Anwendungen mit strengen Anforderungen an Latenz, Datenhoheit oder gleichmässig hoher Last bleiben vielleicht On-Premise oder in einer Private Cloud. Wer sagt, alles müsse umziehen, will etwas verkaufen.
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