SAP S/4HANA Private Cloud 2023 im Rückblick: Betriebsmodelle und der richtige Einstieg heute
SAP S/4HANA Public Cloud Specialist Seller, Spadoom AG
Wir haben diesen Beitrag im November 2023 veröffentlicht, als SAP S/4HANA 2023 herausbrachte und RISE with SAP neu schnürte. Drei Jahre später zählt weniger die Release-Nachricht als die Entscheidung, die sie erzwungen hat: Auf welches S/4HANA-Betriebsmodell wechseln Sie, und wann? Diese Fassung behält, was aus 2023 noch gilt, und ergänzt, was wir einem ECC-Kunden heute sagen würden. Termine, Optionen und einen Pfadfinder für Ihr eigenes System finden Sie auf unserer Seite zum SAP ECC Wartungsende 2027.
Die meisten beginnen mit der Frage «Welche Cloud?». Die bessere erste Frage lautet: «Wie weit müssen unsere Prozesse vom SAP-Standard abweichen?» Die Antwort zeigt auf das Betriebsmodell. Fast alles andere folgt daraus.
Kurzfassung: Mit S/4HANA 2023 wechselte SAP für On-Premise und Private Edition auf einen zweijährigen Release-Zyklus mit sieben Jahren Standardwartung pro Release. S/4HANA gibt es in drei Betriebsmodellen: Public Cloud (SaaS, SAP-Standardprozesse, nur saubere Erweiterungen), Private Cloud (Single-Tenant, meist über RISE with SAP, Eigencode erlaubt) und On-Premise (volle Kontrolle, volle Verantwortung). Die Standardwartung für ECC endet 2027, die optionale erweiterte Wartung 2030. Wenn die Standardprozesse passen, ist S/4HANA Public Cloud der schnellste Weg.
Was hat das Release S/4HANA 2023 verändert?
Die eigentliche Neuigkeit war keine Funktion, sondern der Rhythmus. SAP kündigte 2022 an, dass das Produkt für On-Premise und Private Cloud ab S/4HANA 2023 auf einen zweijährigen Release-Zyklus wechselt. Jedes Release bleibt sieben statt fünf Jahre in der Standardwartung (SAP News). Zwischen den Releases liefert SAP Feature Packs, damit Kunden neue Funktionen ohne vollständiges Upgrade nutzen können.
Für Kunden der Private Edition heisst das: weniger Upgrade-Projekte und mehr Laufzeit pro Release. Das Release 2023 selbst brachte die übliche Mischung aus Fiori-Verbesserungen, eingebettetem maschinellem Lernen im Finanzwesen und neuen Apps für Beschaffung und Lieferkette. Gleichzeitig ergänzte SAP RISE with SAP um ein Premium-Plus-Paket mit Nachhaltigkeitsreporting, Lieferantenzusammenarbeit und frühem Zugang zum KI-Assistenten Joule.
Die meisten dieser Einzelfunktionen sind inzwischen durch spätere Feature Packs und das Release 2025 überholt. Zyklus und Wartungszusage prägen die Planung aber bis heute. Was S/4HANA selbst von ECC unterscheidet (das In-Memory-Datenmodell, Fiori und die eingebettete Analytik), beschreibt unsere Übersicht über die Schlüsselfunktionen und die Architektur von S/4HANA.
Welche drei S/4HANA-Betriebsmodelle gibt es?
Public Cloud (SAP S/4HANA Cloud Public Edition). Mandantenfähiges SaaS auf der Infrastruktur von SAP. SAP aktualisiert alle Kunden nach eigenem Zeitplan. Sie testen, Sie wählen nicht. Sie konfigurieren innerhalb der Vorgaben von SAP und erweitern über Key-User-Werkzeuge, ABAP Cloud oder SAP BTP, verändern aber den Kern nicht. Das passt zu Unternehmen, die mit den SAP-Standardprozessen arbeiten wollen, und das sind mehr, als es selbst erwarten.
Private Cloud (SAP S/4HANA Cloud Private Edition). Single-Tenant, von SAP auf einem Hyperscaler betrieben, in der Regel über RISE with SAP vertraglich geregelt. Sie behalten mehr Spielraum: Eigencode, Branchen-Add-ons, eigene Upgrade-Planung innerhalb der Wartungsfenster von SAP. Hier landen die meisten grossen ECC-Landschaften mit jahrelanger Eigenentwicklung.
On-Premise (SAP S/4HANA). Sie besitzen und betreiben alles: Hardware oder Hosting, Patches, Upgrades, Betrieb. Maximale Kontrolle, maximale Verantwortung.
Was ist RISE with SAP?
RISE with SAP ist ein kommerzielles Paket, kein Produkt. Es kombiniert das Abonnement der Private Edition mit Hosting bei einem Hyperscaler (AWS, Azure oder Google Cloud), technischem Betrieb durch SAP, SAP-BTP-Guthaben, Prozesswerkzeugen wie SAP Signavio und Zugang zum SAP Business Network. Ein Vertrag statt separater Lizenzen für Software, Infrastruktur und Services.
Das vereinfacht den Einkauf, erschwert aber den direkten Kostenvergleich mit einem ungebündelten Aufbau. Die Implementierung selbst ist in RISE nicht enthalten: Prozessdesign, Datenmigration, Eigenentwicklung und Tests kommen von Ihrem Partner und Ihrem eigenen Team.
Für die Public Edition bietet SAP ein vergleichbares Paket unter dem Namen GROW with SAP an, gedacht für Unternehmen, die Standardprozesse in der Cloud einführen.
Wie wählen Sie zwischen Public Cloud, Private Cloud und On-Premise?
Drei Fragen entscheiden:
Wie stark weichen Ihre Prozesse vom Standard ab? Hängt Ihr Geschäft an umfangreichen Eigentransaktionen, Branchen-Z-Code oder komplexer Preislogik, die Sie nicht vereinfachen wollen, brauchen Sie Private Cloud oder On-Premise. Sind Sie bereit, den SAP-Standard zu übernehmen und sauber zu erweitern, steht Ihnen die Public Cloud offen.
Wer soll das System betreiben? Wenn Sie kein Basis-Team für Infrastruktur, Patches und Upgrades aufbauen oder halten wollen, wählen Sie RISE oder Public Cloud. Will Ihre IT den ganzen Stack selbst kontrollieren, bleibt On-Premise möglich.
Wie wollen Sie mit Upgrades umgehen? In der Public Edition folgen Sie dem Zeitplan von SAP. In der Private Edition und On-Premise planen Sie Upgrades selbst, innerhalb der Wartungsfenster jedes Releases.
| Kriterium | Public Cloud | Private Cloud (RISE) | On-Premise |
|---|---|---|---|
| Anpassung | Saubere Erweiterungen (Key User, ABAP Cloud, BTP) | Eigencode + BTP | Voller Eigencode |
| Upgrades | Zeitplan von SAP, verpflichtend | Selbst geplant, innerhalb der Wartungsfenster | Selbst geplant |
| Infrastruktur | Von SAP betrieben | Von SAP betrieben | Eigener Betrieb |
| Vertragsmodell | Abonnement | Abonnement | Lizenz + Hosting |
| Weg von ECC | Neueinführung | Systemkonvertierung oder Neueinführung | Systemkonvertierung oder Neueinführung |
Was bedeuten die ECC-Wartungsfristen für Ihren Zeitplan?
SAP bietet die Standardwartung für SAP Business Suite 7, zu der ECC gehört, bis Ende 2027 an, dazu eine optionale erweiterte Wartung gegen Aufpreis bis Ende 2030. Für S/4HANA selbst gilt eine Wartungszusage bis mindestens Ende 2040 (SAP News).
Für grosse, komplexe Landschaften, die bis 2030 nicht fertig werden, hat SAP 2025 die SAP ERP, private edition, transition option angekündigt. Sie deckt die Jahre 2031 bis 2033 ab, ist ab 2028 erhältlich und setzt voraus, dass die ECC-Systeme vor Ende 2030 auf SAP ERP, private edition laufen (SAP News). Sie ist ein Sicherheitsnetz für komplexe Transformationen, kein Grund zum Abwarten.
Für ein mittelgrosses Schweizer Unternehmen heisst das praktisch: Ein Projekt, das 2027 startet, endet bequem vor 2030. Eines, das 2029 startet, nicht.
Wie sieht der Migrationspfad aus?
Von ECC zu S/4HANA Public Cloud. Eine Neueinführung. Sie konfigurieren die Public Edition, migrieren Stammdaten und offene Posten und übernehmen die Standardprozesse von SAP. Eigencode kommt nicht mit. Was Sie weiterhin brauchen, entsteht neu als saubere Erweiterung (so funktioniert das mit ABAP Cloud).
Von ECC zur Private Edition (RISE). Meist eine Systemkonvertierung. Der Readiness Check und die Custom-Code-Analyse von SAP zeigen, was vor der Konvertierung angepasst werden muss. Die Dauer hängt vor allem von Umfang und Qualität Ihres Eigencodes ab.
Von ECC zu S/4HANA On-Premise. Dieselbe Konvertierung, die Infrastruktur betreiben Sie selbst.
Von S/4HANA On-Premise zu RISE. Ein Umzug auf von SAP betriebene Infrastruktur. System und Anpassungen kommen mit. Der einfachste Weg, wenn Sie bereits S/4HANA einsetzen.
Wo Spadoom ins Spiel kommt
Unsere ERP-Praxis arbeitet mit S/4HANA Public Cloud. Wir liefern den ERP-Kern und die Kundenprozesse darum herum (Sales und Service Cloud V2, Commerce, CPQ, Field Service) mit einem Team. Der Auftrag, der verbucht werden muss, und das Angebot, das einen Preis braucht, sind damit dasselbe Projekt. Wenn Sie noch abwägen, liefert Ihnen das S/4HANA-Readiness-Assessment in fünf Tagen eine Antwort mit festem Umfang. Der Transformationsleitfaden zeigt die Zielarchitektur, und dieser Vergleich von ERP- und CRM-Partnern erklärt, warum ein Team für beides zählt. Den kombinierten Stack im Detail beschreibt S/4HANA Public Cloud und Sales Cloud V2 als ein Stack.
Häufige Fragen
Was passiert bei einer Cloud-Migration mit eigenem ABAP-Code?
In S/4HANA Public Cloud werden klassische Modifikationen nicht übernommen. Was Sie weiterhin brauchen, bauen Sie als saubere Erweiterung neu (Key-User-Werkzeuge, ABAP Cloud oder SAP BTP) oder Sie übernehmen den Standardprozess. In der Private Edition lässt sich der grösste Teil des Eigencodes konvertieren, die Custom-Code-Prüfungen von SAP markieren aber inkompatible Objekte, die überarbeitet werden müssen. Wie viel das ist, hängt vom angesammelten Z-Code ab. Machen Sie die Analyse, bevor Sie das Budget planen.
Ist RISE with SAP teurer als On-Premise?
Das hängt davon ab, was Sie vergleichen. RISE bündelt Software, Hosting, technischen Betrieb und einige Services in einem Abonnement. Die Jahresgebühr wirkt deshalb höher als eine reine Lizenz. Gegenüber den vollen Kosten für eigene Infrastruktur, Upgrades und Basis-Team sieht das Bild anders aus. Vergleichen Sie die Gesamtkosten über denselben Zeitraum und denselben Umfang, nicht Listenpreise.
Kann ich später von der Private Edition in die Public Edition wechseln?
Ja, aber das ist eine Neueinführung, kein Umschalten. Die Public Edition arbeitet mit den Standardprozessen von SAP und sauberen Erweiterungen, Eigencode und Modifikationen müssen also ersetzt werden. Wenn die Standardprozesse zu Ihrem Geschäft passen, ist der direkte Start in der Public Edition günstiger als ein späterer Wechsel.
Wann endet die Wartung für ECC?
SAP bietet die Standardwartung für SAP Business Suite 7, also auch ECC, bis Ende 2027 und eine optionale erweiterte Wartung gegen Aufpreis bis Ende 2030. Für grosse, komplexe Landschaften gibt es zusätzlich die SAP ERP, private edition, transition option für die Jahre 2031 bis 2033. Voraussetzung ist, dass die Systeme vor Ende 2030 auf SAP ERP, private edition laufen.
Ist die Implementierung in RISE with SAP enthalten?
Nein. RISE umfasst das Software-Abonnement, die gehostete Infrastruktur, den technischen Betrieb sowie enthaltene Werkzeuge und Guthaben. Beratung, Prozessdesign, Datenmigration, Eigenentwicklung und Tests kommen separat dazu. Planen Sie dafür von Anfang an Budget ein.
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