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SAP S/4HANA: Schlüsselfunktionen, Architektur und was es von ECC unterscheidet
Insights · Erstmals veröffentlicht am ·Aktualisiert am von Radim Trávníček ·8 Min. Lesezeit

SAP S/4HANA: Schlüsselfunktionen, Architektur und was es von ECC unterscheidet

Radim Trávníček

Radim Trávníček

S/4HANA Solution Architect, Spadoom AG

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S/4HANA ist nicht ECC auf einer schnelleren Datenbank. Diesem Missverständnis begegnen wir am häufigsten, deshalb steht es am Anfang. Der Name ist schnell erklärt: «S» für Suite, «4» für die vierte Generation, «HANA» für die In-Memory-Datenbank darunter. Die Veränderung dahinter ist grösser: SAP hat neu gebaut, wie das ERP Daten speichert, darstellt und erweitert wird. Termine, Optionen und einen Pfadfinder für Ihr eigenes System finden Sie auf unserer Seite zum SAP ECC Wartungsende 2027.

Kurzfassung: S/4HANA unterscheidet sich in fünf Punkten, die im Alltag zählen, von ECC: eine spaltenbasierte In-Memory-Datenbank ohne Aggregattabellen, ein vereinfachtes Datenmodell mit einem Universal Journal für das Finanzwesen, Fiori statt SAP GUI, Analysen direkt im transaktionalen System und ein Clean-Core-Modell, bei dem Erweiterungen ausserhalb des Standards liegen. In S/4HANA Public Cloud sind diese Prinzipien nicht optional, und genau das hält die Upgrades schmerzfrei.

Was ist an der In-Memory-Architektur anders?

Klassische ERP-Systeme, auch ECC, hielten die Daten auf der Festplatte und luden sie bei Bedarf in den Speicher. Komplexe Abfragen stützten sich deshalb auf vorberechnete Aggregattabellen, Indextabellen und Summen, damit sie schnell blieben. Das funktionierte, war aber immer ein Behelf.

S/4HANA läuft ausschliesslich auf SAP HANA, einer spaltenbasierten In-Memory-Datenbank. Drei Folgen:

Keine Aggregattabellen mehr. ECC pflegte Hunderte von Summen- und Indextabellen, um langsame Lesezugriffe zu vermeiden. HANA berechnet sie zur Laufzeit aus den Einzelposten. Weniger Redundanz, und jeder Bericht zeigt den aktuellen Stand statt den Batchlauf der letzten Nacht.

Komprimierung im Spaltenspeicher. Werte in einer Spalte ähneln sich und lassen sich deshalb gut komprimieren. Die Datenbank wird kleiner, Abfragen werden schneller.

Analysen auf Live-Transaktionsdaten. In ECC lief umfangreiches Reporting in separaten Systemen (SAP BW, BusinessObjects), weil es sonst den Betrieb gebremst hätte. HANA verarbeitet Transaktionen und Analysen auf denselben Daten.

Wie wurde das Datenmodell vereinfacht?

Am deutlichsten sichtbar ist die Vereinfachung im Finanzwesen. In ECC verteilten sich Finanzdaten auf BSEG, BKPF und separate Tabellen für offene Posten, ausgeglichene Posten und Summen (BSID, BSIK, BSAD, BSAK und weitere). S/4HANA führt sie in ACDOCA zusammen, dem Universal Journal: eine Tabelle für alle Buchungen aus Finanzwesen und Controlling. Wer einmal einen Finanzbericht über sieben ECC-Tabellen zurückverfolgt hat, weiss, warum das zählt.

Ähnliche Zusammenlegungen ziehen sich durch die anderen Bereiche:

  • Materialwirtschaft: Bestands- und Bewertungsdaten in weniger Tabellen, aggregiert zur Laufzeit
  • Vertrieb: ein schlankerer Belegfluss mit weniger Zwischentabellen
  • Controlling: keine separaten CO-Buchungstabellen mehr, alles läuft über das Universal Journal

Die praktische Folge: Eigene Berichte und Schnittstellen, die ECC-Tabellen direkt lesen, müssen bei einer Konvertierung geprüft und oft angepasst werden. Das ist Arbeit, und zugleich der Moment, jahrelang angesammelte technische Schulden aufzuräumen. Bei einer Neueinführung auf S/4HANA Public Cloud stellt sich diese Frage nicht, weil alter Eigencode nicht mitkommt.

Was ändert SAP Fiori für die Anwender?

Fiori ersetzt SAP GUI als Benutzeroberfläche, und es ist mehr als ein neuer Anstrich.

Rollenbasierte Apps. Statt langer Menübäume und Transaktionscodes erhalten Anwender die Apps ihrer Rolle auf einem Launchpad. Eine Vertriebsleiterin sieht Pipeline, Prognose und Aktivitäten, nicht das ganze SAP-Menü.

Auf jedem Gerät. Fiori-Apps laufen auf Desktop, Tablet und Smartphone. Lagermitarbeitende buchen Wareneingänge auf dem Tablet, ohne separate Mobile-App.

Analysen in der App. Übersichtsseiten zeigen Kennzahlen, Diagramme und Drill-downs direkt. Ein Finanzleiter sieht offene Verbindlichkeiten, Liquiditätsverlauf und überfällige Rechnungen auf einem Bildschirm.

Eine Designsprache. Alle Apps folgen denselben Richtlinien. Wer eine App kennt, findet sich in der nächsten zurecht, und das verkürzt die Schulung.

SAP ECC und S/4HANA: die wichtigsten Unterschiede Dimension SAP ECC SAP S/4HANA Datenbank Beliebig (Oracle, DB2, MSSQL) Nur SAP HANA (In-Memory) Datenmodell Aggregattabellen + Indizes Vereinfacht (Universal Journal ACDOCA) Oberfläche SAP GUI (Desktop-Client) SAP Fiori (Web, mobil, rollenbasiert) Analysen Separates BW/BO-System Eingebettet, in Echtzeit Erweiterungen Eigencode im Kern Clean Core: ABAP Cloud + BTP KI Nicht eingebaut Joule + eingebettetes Machine Learning S/4HANA ist nicht ECC auf einer schnelleren Datenbank: Jede Schicht hat sich verändert
Datenbank, Datenmodell, Oberfläche, Analysen, Erweiterungsmodell und KI: Zwischen ECC und S/4HANA hat sich jede Schicht verändert.

Warum ist der Clean Core so wichtig?

In ECC haben Unternehmen den Standard direkt modifiziert. Dadurch wurde jedes Upgrade zum Projekt. S/4HANA trennt beides: Der Standard bleibt unangetastet, Erweiterungen nutzen freigegebene Schnittstellen, entweder im System mit ABAP Cloud oder daneben auf SAP BTP. SAP nennt das Clean Core und bewertet Erweiterungen in einem Stufenmodell danach, wie upgradesicher sie sind (SAP News).

In S/4HANA Public Cloud ist der Clean Core der einzige Weg zu erweitern. Genau deshalb kann SAP alle Kunden nach eigenem Zeitplan aktualisieren, ohne ihre Systeme zu brechen. In der Private Edition ist er eine Disziplin, die Sie selbst durchsetzen müssen. Beide Wege beschreiben wir ausführlich: Erweiterungen im System mit ABAP Cloud und Apps daneben auf BTP.

Welche Analysen und welche KI sind eingebaut?

Eingebettete Analysen heissen: Jeder Bereich von S/4HANA bringt eigene Berichte und Dashboards mit. Das Finanzwesen sieht Liquiditätspositionen, der Einkauf Ausgaben nach Lieferant, der Vertrieb offene Aufträge und Margen, ohne das System zu verlassen oder auf einen Ladelauf ins Data Warehouse zu warten.

Darüber hinaus baut SAP KI direkt in die Anwendung ein. Joule, der KI-Assistent von SAP, beantwortet Fragen in natürlicher Sprache, fasst Belege zusammen und führt Anwender durch Aufgaben. Vorhersagefunktionen sitzen in einzelnen Prozessen, etwa beim Zahlungsverhalten im Finanzwesen oder beim Bedarf in der Lieferkette, und lernen aus Ihren eigenen Daten. Laut SAP war Business AI im vierten Quartal 2025 in zwei Dritteln des Cloud-Auftragseingangs enthalten (SAP News). Ob sich eine KI-Funktion lohnt, hängt von Ihrer Datenqualität ab. Behandeln Sie sie als Teil des Prozessdesigns, nicht als Zusatz.

Wie verbindet sich S/4HANA mit der Kundenseite?

Der Nutzen von S/4HANA wächst, wenn ERP und Kundenprozesse auf einer gemeinsamen Datenbasis arbeiten:

Preise und Verfügbarkeit. Sales Cloud V2 kann kundenspezifische Preise und Verfügbarkeiten aus S/4HANA abrufen, während das Angebot entsteht. Der Verkäufer nennt im Termin die richtige Zahl.

Vom Auftrag zur Zahlung. Aufträge aus Sales Cloud V2 oder Commerce Cloud fliessen für Lieferung, Fakturierung und Umsatzrealisierung nach S/4HANA. Den ganzen Ablauf zeigen wir in Quote to Cash mit Sales Cloud V2 und S/4HANA Public Cloud.

Service mit Kontext. Agenten in Service Cloud V2 sehen Auftragshistorie, Lieferstatus und Rechnungen aus S/4HANA neben dem Fall. Ruft eine Kundin wegen einer verspäteten Lieferung an, weiss der Agent schon Bescheid.

Genau hier liegt unsere Arbeit. Spadoom implementiert S/4HANA Public Cloud und den CX-Stack darum herum mit einem Team, sodass die Nahtstelle zwischen ERP und CRM zu einem Projekt gehört statt zu zweien. Dieser Überblick über Partner für Cloud ERP und CRM erklärt, warum das zählt. Wenn Sie heute ECC betreiben, denken Sie an den Kalender: Die Standardwartung für SAP Business Suite 7 endet 2027, die optionale erweiterte Wartung 2030 (SAP News). Das S/4HANA-Readiness-Assessment zeigt in fünf Tagen, welcher Weg passt, und der Transformationsleitfaden zeigt die Zielarchitektur.

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine Migration auf S/4HANA?

Das hängt vor allem vom Weg und vom Eigencode ab. Eine Neueinführung von S/4HANA Public Cloud in einem mittelgrossen Unternehmen mit klaren Prozessen ist typischerweise eine Frage von Monaten, nicht von Jahren. Die Systemkonvertierung eines stark modifizierten ECC dauert länger, weil jedes Eigenobjekt analysiert und angepasst werden muss. Ein Readiness-Assessment liefert eine realistische Zahl für Ihre Landschaft.

Gibt es SAP GUI in S/4HANA noch?

In der Private Edition und On-Premise ja, aus Kompatibilitätsgründen, und viele Unternehmen nutzen es während des Übergangs parallel zu Fiori. S/4HANA Public Cloud wird über Fiori bedient. Die Entwicklung von SAP fliesst in Fiori, neue Funktionen erscheinen oft nur dort. Planen Sie deshalb den Umstieg Ihrer Anwender, statt GUI als dauerhafte Oberfläche zu betrachten.

Was passiert mit SAP BW beim Wechsel auf S/4HANA?

Die eingebetteten Analysen von S/4HANA decken einen grossen Teil des operativen Reportings ab, für das früher BW nötig war. Systemübergreifende und historische Analysen brauchen weiterhin eine Datenplattform. SAP positioniert dafür heute SAP Business Data Cloud, und viele Unternehmen bauen BW schrittweise zurück, statt es zum Go-live abzuschalten.

Müssen die Anwender neu geschult werden?

Ja, aber weniger als bei einem völlig neuen System, weil Fiori-Apps einem Design folgen und nach Rollen organisiert sind. Die meisten Anwender brauchen eine kurze Einführung ins Launchpad und in ihre Apps. Key User und Administratoren brauchen mehr, zu Konfiguration, Erweiterbarkeit und Analysen.

Welche Datenbank braucht S/4HANA?

SAP HANA, ohne Alternative. In S/4HANA Public Cloud und in RISE with SAP ist das Teil des Service, Sie dimensionieren und betreiben keine Hardware selbst. Nur On-Premise-Installationen brauchen zertifizierte HANA-Hardware oder einen Hosting-Anbieter.

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