Vom Accelerator zum Composable Storefront: ein praktischer Migrationsleitfaden
SAP Commerce Developer, Spadoom AG
Die Migration vom Accelerator zum SAP Composable Storefront ist kein Versions-Upgrade. Sie ist ein Frontend-Replatforming: von serverseitigen JSP-Templates zu einer headless Angular-Anwendung. Das Backend bleibt, das Frontend wird neu gebaut. Teams, die das als Upgrade planen, unterschätzen den Aufwand, und wir sagen das gleich zu Beginn, weil es der häufigste Fehler ist, den wir sehen.
Inzwischen gibt es auch ein Datum. SAP hat die Accelerator-UI-Templates mit Release 2205 als veraltet erklärt und entfernt sie laut veröffentlichtem Plan im September 2027 aus SAP Commerce Cloud (SAP KBA 3263872). Eine Migration von drei bis sechs Monaten, die im Herbst 2026 beginnt, hat genug Luft; eine, die im Frühling 2027 beginnt, nicht.
Kurzfassung: Der Wechsel vom Accelerator (JSP) zum SAP Composable Storefront (Angular, früher Spartacus) dauert bei Standardimplementierungen drei bis sechs Monate, bei B2B- und Multi-Site-Setups länger. Backend und OCC-APIs bleiben; das ganze Frontend wird neu gebaut. Auditieren Sie zuerst Ihre Anpassungen, schliessen Sie Lücken in den OCC-APIs früh, konfigurieren Sie Server-Side Rendering von Anfang an und betreiben Sie beide Storefronts vor der Umstellung parallel. SAP plant, die Accelerator-Templates im September 2027 zu entfernen.
Warum geht nicht einfach ein «Upgrade»?
Es sieht aus, als müsste es einfach sein: gleiche Plattform, neues Frontend. Ist es nicht. Accelerator und Composable Storefront unterscheiden sich auf jeder Ebene des Frontends: serverseitiges JSP gegen clientseitiges Angular, direkte Aufrufe ins Modell gegen OCC-REST-APIs, Server-Sessions gegen NgRx-State. Ein automatisches Migrationswerkzeug gibt es nicht, weil die beiden Architekturen auf Frontend-Ebene nichts gemeinsam haben. Die Hinweise von SAP zum Wechsel (KBA 3285373) und die Dokumentation zum Composable Storefront beschreiben das Ziel; der Weg dorthin ist Projektarbeit.
Ob der Composable Storefront überhaupt das richtige Ziel ist oder ein eigenes Headless-Frontend besser passt, ist eine eigene Entscheidung. Wir behandeln sie in Brauchen Sie SAP Spartacus? und in Composable Storefront vs. React/Next.js.
Wie läuft die Migration ab?
Zehn Schritte. Mobile Performance gehört von Anfang an dazu, nicht in ein Folgeprojekt.
Schritt 1: Accelerator-Anpassungen auditieren. Erfassen Sie jedes eigene JSP-Tag, jeden Controller, jedes Stylesheet und jede JavaScript-Datei. Unspektakuläre Arbeit, die Überraschungen verhindert: In einem Projekt brachte diese Audit-Woche 47 eigene Komponenten zutage, die niemand dokumentiert hatte.
Schritt 2: Entsprechungen im Composable Storefront zuordnen. Für die meisten Standardkomponenten gibt es ein Gegenstück. Eigene Komponenten müssen in Angular neu gebaut werden.
Schritt 3: Abdeckung der OCC-APIs prüfen. Funktionen, die Services direkt aufrufen, brauchen unter Umständen neue OCC-Endpunkte. Das überrascht Teams häufiger als alles andere.
Schritt 4: Composable Storefront aufsetzen. Anwendung erzeugen, Backend-Anbindung konfigurieren, CMS-Mappings einrichten.
Schritt 5: Eigene Komponenten neu bauen. Nach geschäftlicher Wirkung priorisieren: Checkout-Anpassungen und B2B-Funktionen zuerst.
Schritt 6: CMS-Inhalte migrieren. Content-Slots und Komponenten von Accelerator- auf Composable-Storefront-Mappings umstellen.
Schritt 7: Server-Side Rendering konfigurieren. SSR für Suchmaschinen und Performance einrichten. Ein Commerce-Storefront ohne SSR lässt sich schlecht indexieren und lädt beim ersten Aufruf langsam; überspringen Sie das nicht.
Schritt 8: Theme und Branding. Das visuelle Design umsetzen: Style-Overrides, Typografie, Farben.
Schritt 9: Parallel testen. Beide Storefronts am selben Backend betreiben und Funktion und Konversion zwei bis vier Wochen lang vergleichen. Unsere erfolgreichsten Migrationen haben alle diesen Parallelbetrieb genutzt. Er kostet Zeit, und er findet, was die Qualitätssicherung übersieht.
Schritt 10: Umschalten. Traffic umleiten, zwei Wochen engmaschig überwachen und den Accelerator als Rückfallebene verfügbar halten.
Welche Zeitpläne sind realistisch?
- Standard-B2C (10 bis 20 eigene Komponenten): 3 bis 4 Monate
- Starke Anpassungen (30 und mehr Komponenten): 4 bis 6 Monate
- B2B-Storefront: 5 bis 7 Monate
- Mehrere Sites und Sprachen: 6 bis 9 Monate
Die grösste Variable ist die Zahl der eigenen Komponenten, und die meisten Teams unterschätzen sie. Erst auditieren, dann planen. Ist der Storefront-Wechsel Teil einer grösseren Migration weg von SAP Commerce On-Premise, zeigt unsere Migrations-Checkliste, wie die Arbeitsstränge zusammenspielen.
Welche Fehler passieren bei der Migration am häufigsten?
Den Accelerator exakt nachbauen wollen. Nutzen Sie die Migration, um zu vereinfachen. Ein Kunde bestand auf pixelgenauer Übereinstimmung mit seinem Accelerator-Storefront; nach drei Monaten stellte er fest, dass die Hälfte dieser Designentscheide schon beim ersten Mal Fehler gewesen waren.
Alles auf einmal migrieren. Gehen Sie Bereich für Bereich vor: Produktlisten, dann Warenkorb und Checkout, dann B2B. Auf dem Papier wirkt das langsamer, in der Praxis ist es schneller, weil Probleme auftauchen, solange ihre Wirkung noch klein ist.
Lücken in den OCC-APIs ignorieren. Eigene Funktionen, die Services direkt aufrufen, brauchen Backend-Arbeit. Erkennen Sie sie früh, sonst blockieren sie das Frontend-Team wochenlang.
Die Lernkurve von Angular unterschätzen. Planen Sie vier bis acht Wochen Schulung ein oder holen Sie Angular-Entwickler ins Team. JSP-Know-how lässt sich in diese Welt nicht übertragen.
Suchen Sie einen Partner für den Wechsel, nennt unsere Übersicht über die besten SAP-Commerce-Cloud-Partner in der Schweiz die Kriterien, die zählen, und unsere Seite zu SAP Commerce Cloud zeigt, wie wir arbeiten. Sprechen Sie mit uns über Ihren Storefront.
Häufig gestellte Fragen
Bis wann können wir den Accelerator-Storefront behalten?
SAP hat die Accelerator-UI-Templates und Add-ons mit Release 2205 als veraltet erklärt. Laut veröffentlichtem Plan von SAP (KBA 3263872) werden sie im September 2027 aus SAP Commerce Cloud entfernt; eine erweiterte Übergangsfrist endet im September 2028. Bis dahin laufen die Storefronts weiter, aber ohne Weiterentwicklung. Planen Sie den Wechsel deshalb jetzt.
Können wir beide Storefronts gleichzeitig betreiben?
Ja. Accelerator und Composable Storefront können am selben Commerce-Cloud-Backend laufen. Sie können den Traffic nach URL, Domain oder Prozentsatz verteilen, Bereich für Bereich migrieren und die Konversion vergleichen, bevor Sie endgültig umschalten.
Werden unsere Accelerator-Anpassungen übernommen?
Der Frontend-Code nicht: JSP-Templates, Tags, Controller und JavaScript werden als Angular-Komponenten neu gebaut. Die Geschäftslogik im Backend bleibt und wird über die OCC-REST-APIs angesprochen; Funktionen, die Services direkt aus dem Storefront aufrufen, brauchen neue OCC-Endpunkte.
Wie schützen wir die SEO während der Migration?
Behalten Sie URL-Strukturen wo möglich bei und richten Sie 301-Redirects ein, wo sie sich ändern. Konfigurieren Sie Server-Side Rendering von Anfang an, denn ein rein clientseitiger Angular-Storefront lässt sich schlecht indexieren. Überwachen Sie die Google Search Console während und nach der Umstellung genau.
Sollen wir Commerce Cloud aktualisieren und gleichzeitig den Storefront migrieren?
Besser nicht. Aktualisieren Sie zuerst das Backend, prüfen Sie die Stabilität und migrieren Sie dann den Storefront. Beides zugleich verdoppelt das Risiko und macht es sehr schwer herauszufinden, was kaputt ist, wenn etwas schiefgeht.
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