Auftragsmanagement in SAP Commerce Cloud: So funktioniert es und das deckt es ab
SAP Commerce Lead, Spadoom AG
Auftragsmanagement begeistert selten jemanden. Doch die besten Produktseiten nützen nichts, wenn Aufträge hängen bleiben, Bestandszahlen falsch sind oder eine Retoure drei Wochen dauert. Im Auftragsmanagement findet Commerce tatsächlich statt.
In SAP Commerce Cloud umfasst das den ganzen Lebenszyklus: Warenkorb, Checkout, Zahlung, Sourcing, Abwicklung, Versand und Retouren. Im Folgenden, was im Standard enthalten ist, wo es solide ist und wo Sie mehr brauchen.
Kurzfassung: SAP Commerce Cloud deckt den gesamten Auftragslebenszyklus im Standard ab: Warenkorb, Checkout, Zahlung, Sourcing über mehrere Lager, Auftragssplitting und Retouren, für B2C und B2B (inklusive Freigabeprozessen). Komplexe Orchestrierung wie Ship-from-Store, Streckengeschäft oder Echtzeitbestände über Hunderte Standorte braucht SAP Order Management foundation oder ein spezialisiertes OMS. Ob alles in der Praxis funktioniert, entscheidet die ERP-Anbindung für Aufträge, Bestände, Preise und Lieferstatus.
Wie sieht der Auftragslebenszyklus aus?
Die meisten Probleme im Auftragsmanagement, die wir sehen, sind keine Technologieprobleme, sondern Probleme im Prozessdesign. Teams bilden die falsche Abwicklungslogik ab, erhalten verwirrende Ergebnisse und geben der Plattform die Schuld. Commerce Cloud führt jeden Auftrag durch einen definierten Lebenszyklus, und jede Stufe löst Geschäftslogik, Statusänderungen und Integrationsereignisse aus. Stimmt der Prozess, folgt die Technik.
Welche Funktionen für das Auftragsmanagement sind im Standard enthalten?
Das Standard-Auftragsmanagement deckt die häufigsten Szenarien ohne zusätzliche Software ab.
Zentrales Auftragsmanagement im Backoffice. Eine Sicht auf alle Aufträge: Versanddaten ändern, Stornierungen bearbeiten, Rückerstattungen auslösen. Unspektakulär, aber solide.
Sourcing über mehrere Lager. Regeln leiten jeden Auftrag an den passendsten Abwicklungsstandort, nach Nähe, Bestand und Kosten. Commerce Cloud prüft die verfügbaren Standorte und wählt den besten. Für eine Handvoll europäischer Lager funktioniert das mit Standardkonfiguration zuverlässig.
Auftragssplitting. Wird ein Auftrag von mehreren Orten aus versandt (ein Artikel aus Lager A, zwei aus Lager B), sieht der Kunde trotzdem einen Auftrag, und das System steuert die Teillieferungen im Hintergrund.
Retouren und Rückerstattungen. Retourenprozesse (RMA, Return Merchandise Authorisation) decken Rücksendeanfragen, Wiedereinlagerung und Rückerstattung ab, verbunden mit dem Zahlungsdienstleister für automatische Rückzahlungen.
B2B. Bestellnummern, Freigabeprozesse, Kostenstellen und Budgetprüfungen. B2B-Aufträge durchlaufen oft mehrere Freigabestufen, bevor sich etwas bewegt. Commerce Cloud unterstützt das im Standard, Teams müssen Freigabeketten also nicht selbst bauen.
Wo stösst das Standard-Auftragsmanagement an Grenzen?
Mit wachsenden Auftragsvolumen und komplexerer Abwicklung erreichen die Standardfunktionen ihre Grenzen.
Verteilte Abwicklung. Ship-from-Store, Streckengeschäft und Marktplatz-Abwicklung neben dem Versand aus dem Lager können die Standard-Sourcing-Logik übersteigen. Für diese Orchestrierungsschicht bietet SAP SAP Order Management foundation an, einen Cloud-Dienst, der Aufträge aus mehreren Kanälen bündelt und mit Abwicklungssystemen und Standorten verbindet. Spezialisierte OMS-Produkte wie Fluent Commerce sind eine Alternative.
Echtzeitbestände in grossem Massstab. Eine Handvoll Lager ist kein Problem. Bei Hunderten Filialen und Lagern brauchen Sie ein eigenes Bestandssystem, das Commerce Cloud versorgt.
Mehrstufige Abwicklung. Teillieferungen, Rückstände und Ersatzartikel erfordern oft Anpassungen oder ein externes OMS, und Änderungen an einem Auftrag nach Beginn der Abwicklung sind mit den Standardwerkzeugen nur eingeschränkt möglich.
Nach unserer Erfahrung decken die Standardfunktionen die meisten gängigen Commerce-Szenarien ab. Der Rest (verteilte Abwicklung, Echtzeitbestände in grossem Massstab, anspruchsvolle Orchestrierung) braucht Erweiterungen. Wer vor dem Bauen weiss, auf welcher Seite er steht, spart viel Nacharbeit. Mehr zur Plattform finden Sie auf unserer Seite zu SAP Commerce Cloud.
Wie ist Commerce Cloud für die Abwicklung mit dem ERP verbunden?
Gerade im B2B funktioniert Auftragsmanagement nur mit einer sauberen ERP-Anbindung: Bonitätsprüfung, kundenspezifische Preise und Abwicklung liegen im ERP.
SAP Integration Suite ist der empfohlene Weg. Mit den vorkonfigurierten Integrationsinhalten von SAP (SAP Commerce Cloud Integration Extension Pack) übernimmt sie Auftragsreplikation, Bestandsabgleich, Preisfindung und Lieferstatus.
Eigene Integration über die Commerce Integration API ist ebenfalls möglich: Ausgehende Flüsse schicken Aufträge über Middleware ins ERP. Das braucht Entwicklungsaufwand und laufendes Monitoring, ist aber ein legitimer Ansatz, wenn die Standardinhalte nicht passen.
IDoc-basierte Integration ist die traditionelle SAP-Methode und läuft noch in vielen Landschaften: Aufträge gehen als IDocs von Commerce zu S/4HANA, Bestandsänderungen kommen zurück. Nicht der modernste Weg, aber bewährt und jedem SAP-Team vertraut.
Welchen Weg Sie auch wählen, vier Integrationspunkte entscheiden: Auftragsreplikation (Commerce zum ERP), Bestandsverfügbarkeit (ERP zu Commerce), Preise und Steuern (ERP zu Commerce) und Lieferstatus (ERP zu Commerce). Stimmen diese vier, fügt sich der Rest meist von selbst. Wie das mit S/4HANA Public Cloud als ERP-Kern aussieht, beschreiben wir in SAP Commerce Cloud und S/4HANA Public Cloud im B2B. Warum ein Team für ERP und Commerce genau an dieser Nahtstelle hilft, erklärt unser Leitfaden zu ERP- und CRM-Partnern.
Häufige Fragen
Unterstützt Commerce Cloud Bestände in Echtzeit?
Sie unterstützt nahezu Echtzeit-Verfügbarkeit über ATP-Prüfungen (Available-to-Promise), mit Beständen, die aus Lagern und dem ERP synchronisiert werden. Wie aktuell die Daten sind, hängt von der Integration ab: Manche Setups gleichen alle paar Minuten ab, ereignisgesteuerte Integrationen nahezu sofort.
Kann ich Commerce Cloud für das Auftragsmanagement von Marktplätzen nutzen?
Commerce Cloud verwaltet Aufträge aus Ihren eigenen Storefronts. Um Aufträge von Marktplätzen wie Amazon oder Galaxus mit Ihrem Shop zu bündeln, ergänzen Sie typischerweise ein Marktplatz-Werkzeug oder eine Orchestrierungsschicht wie SAP Order Management foundation.
Wie unterscheidet sich das Auftragsmanagement zwischen B2B und B2C?
B2B ergänzt Freigabeprozesse, Bestellnummern, Kostenstellen und Budgetprüfungen, ein Auftrag braucht also unter Umständen mehrere Freigaben, bevor er weiterläuft. Ein B2C-Auftrag geht meist direkt in die Abwicklung, sobald die Zahlung autorisiert ist.
Welche Zahlungsanbieter funktionieren mit Commerce Cloud?
Commerce Cloud bindet die grossen Zahlungsdienstleister über Konnektoren an, zum Beispiel Adyen, Stripe oder PayPal, dazu SAP Digital Payments. Die Autorisierung erfolgt im Checkout, die Belastung meist bei der Abwicklung, Rückerstattungen laufen über den Retourenprozess.
Kann Commerce Cloud Abonnements und wiederkehrende Bestellungen abbilden?
Wiederkehrende Bestellungen (geplante Nachbestellung) unterstützt sie über ihre Warenkorb- und Auftragsfunktionen. Für ein vollständiges Abo-Management mit Abrechnungszyklen, Tarifwechseln und nutzungsbasierten Preisen binden Sie eine spezialisierte Abo- und Abrechnungslösung an.
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