Von SAP BW zu Business Data Cloud: Lift, Shift, Innovate
Senior SAP BAIP Architect, Spadoom AG
Viele Schweizer Unternehmen betreiben noch ein BW, das vor zehn oder fünfzehn Jahren gebaut wurde. Es funktioniert. Es enthält aber auch viel Geschäftslogik, die niemand dokumentiert hat, und die Leute, die es gebaut haben, gehen nach und nach. Als SAP im Februar 2025 Business Data Cloud (BDC) lanciert hat, lautete die erste Frage der BW-Kunden: Was passiert mit unserem BW?
SAP hat die Antwort inzwischen konkretisiert. Es ist ein Pfad in drei Schritten: Lift, Shift, Innovate.
Kurzfassung: Heben Sie Ihr BW in die BW Private Cloud Edition innerhalb von BDC (BW NetWeaver PCE wird bis Ende 2030 gewartet, BW/4HANA PCE darüber hinaus). Überführen Sie InfoProvider mit dem Data Product Generator in Datenprodukte (Voraussetzung: BW 7.5 SPS24 auf HANA oder BW/4HANA 2021 SPS04 / 2023). Bauen Sie dann neue Analysen auf Datenprodukten in Datasphere und SAP Databricks. Prüfen Sie vor allem anderen Release, Modellinventar und Vertrag.
Wer neu bei BDC ist, beginnt am besten mit unserer Erklärung in Alltagssprache.
Schritt 1: Lift
Beim Lift wandert Ihr bestehendes BW in die SAP BW Private Cloud Edition, eine der BDC-Komponenten. Modelle, Queries und Prozessketten laufen weiter. Es ändert sich, wo BW läuft und wer die Infrastruktur betreibt.
Wichtig sind die Wartungsdaten:
- SAP BW NetWeaver Private Cloud Edition: Wartung bis Ende 2030.
- SAP BW/4HANA Private Cloud Edition: Wartung über 2030 hinaus.
Für einen Kunden mit BW 7.5 verschafft das Zeit. Sie müssen nicht alles vor einem Support-Stichtag neu bauen. Sie können zuerst in BDC umziehen und von dort aus modernisieren.
Der Lift allein bringt dem Fachbereich wenig Neues. Er ist ein Plattformwechsel. Verkaufen Sie ihn intern nicht als mehr.
Schritt 2: Shift
Beim Shift trifft BW auf die Idee der Datenprodukte. Der Data Product Generator von SAP nimmt BW-InfoProvider und veröffentlicht sie als Datenprodukte:
- InfoObjects
- aDSOs (Advanced DataStore Objects)
- CompositeProvider
- MultiProvider
- InfoCubes
Das Ergebnis liegt als Delta-Tabellen im Datasphere-Objektspeicher. Von dort lassen sich die Datenprodukte mit SAP Databricks teilen. Data Scientists arbeiten so auf denselben gesteuerten Daten wie Ihre BW-Berichte. Keine zusätzliche Extraktion, keine zweite Kopie, die jemand von Hand pflegt.
Die Voraussetzungen sind strikt:
- SAP BW 7.5 SPS24 auf HANA, oder
- SAP BW/4HANA 2021 SPS04, oder
- SAP BW/4HANA 2023.
Läuft Ihr BW auf einem älteren Support Package oder auf einer Nicht-HANA-Datenbank, kommt zuerst das Upgrade.
SAP plant zudem einen Query Template Generator, der BW-Query-Logik in die neue Welt überführen soll. Behandeln Sie ihn als angekündigten Plan, bis er ausgeliefert ist.
Schritt 3: Innovate
Sobald BW-Daten als Datenprodukte bereitstehen, entsteht Neues ausserhalb von BW. Sie kombinieren BW-basierte Datenprodukte mit von SAP gepflegten Datenprodukten aus S/4HANA oder SuccessFactors, modellieren in Datasphere, berichten und planen in SAP Analytics Cloud und nutzen SAP Databricks, wo Machine Learning gefragt ist.
Es geht nicht darum, alles umzuziehen. Alte BW-Berichte, die funktionieren und die niemand ändern will, dürfen weiterlaufen. Neue Fragen werden auf der neuen Ebene beantwortet.
Was Sie zuerst prüfen
Bevor Sie mit SAP über Zeitpläne sprechen, sammeln Sie vier Fakten:
- Release und Datenbank. Auf welchem BW-Release und Support Package sind Sie? HANA oder nicht? Das entscheidet, ob der Shift überhaupt möglich ist.
- Modellinventar. Wie viele InfoProvider und Queries werden tatsächlich genutzt? In den meisten BW-Systemen ist ein grosser Teil tot. Migrieren Sie nicht, was niemand öffnet.
- Verantwortliche im Fachbereich. Welche Berichte zählen für welche Führungskräfte? Das sind Ihre ersten Kandidaten für den Shift.
- Vertrag. Was zahlen Sie heute für BW, nach welcher Metrik und bis wann?
SAP bietet BW-Kunden Assessments ihrer Landschaft an. Verlangen Sie eines und bringen Sie Ihr eigenes Inventar zum Vergleich mit.
Die Frage nach dem Doppelzahlen
Diese Frage hören wir von BW-Kunden am häufigsten. Sie zahlen bereits Wartung für BW. BDC ist ein Abonnement. Zahlen Sie beides?
Eine allgemeine Antwort gibt es nicht, denn sie hängt von Ihrem Vertrag und vom Angebot von SAP in Ihrem Fall ab. Unsere Empfehlung:
- Fragen Sie SAP schriftlich, wie bestehende BW-Lizenzen beim Wechsel in BW PCE innerhalb von BDC angerechnet oder umgewandelt werden.
- Fragen Sie dasselbe für bestehende Datasphere- oder SAP-Analytics-Cloud-Abonnements.
- Rechnen Sie die Überlappung durch. Während Lift und Shift laufen Alt und Neu möglicherweise parallel. Wissen Sie, wie lange und zu welchen Kosten.
- Beziehen Sie Ihr Controlling vor der Unterschrift ein, nicht nach der ersten Rechnung.
Die grössere Lizenzfalle behandeln wir in fünf Fehler beim Start mit BDC.
Ohne BW: der Weg für CX und S/4HANA Public Cloud
Viele unserer Kunden hatten nie ein BW. Sie nutzen SAP Sales Cloud V2, Service Cloud V2 und S/4HANA Public Cloud. Für sie gelten Lift und Shift nicht. Sie starten bei Schritt 3.
- S/4HANA Public Cloud: Von SAP gepflegte Datenprodukte decken Finanzen und Supply Chain ab. Finance Intelligence ist seit Oktober 2025 allgemein verfügbar.
- SAP Sales Cloud V2 und Service Cloud V2: Wir haben keine SAP-Quelle gesehen, die konkrete Datenprodukte dafür nennt. Revenue Intelligence, die auf Vertriebs-, Marketing- und Servicedaten zielt, war im letzten öffentlichen SAP-Stand, den wir belegen können, in Restricted Preview. CX-Daten gelangen über eine eigene Integration in Datasphere, etwa ereignisgesteuert über SAP Integration Suite oder per Replikation.
- Hosting in der Schweiz: Seit Anfang März 2026 ist BDC auf Microsoft Azure in der Schweiz verfügbar (EU Access). Für Unternehmen mit Anforderungen an den Datenstandort nach revDSG fällt damit ein Argument fürs Warten weg.
Der Vorteil ohne BW: keine Altmodelle, die man mitschleppen muss. Der Nachteil: auch keine bestehende semantische Schicht. Sie definieren Ihre Kennzahlen von Grund auf, und das ist eine Aufgabe des Fachbereichs, nicht der IT.
Was das für Sie bedeutet
- BW 7.5 auf HANA oder BW/4HANA mit aktuellem SPS: Sie können Lift und Shift jetzt planen. Beginnen Sie mit Inventar und Vertragsfrage.
- Älteres BW oder Nicht-HANA: Planen Sie zuerst das technische Upgrade. Ohne es bleibt der Data Product Generator ausser Reichweite.
- Kein BW, Cloud-CX und S/4HANA Public Cloud: Springen Sie zu Schritt 3. Wählen Sie eine systemübergreifende Frage, nutzen Sie Datenprodukte, wo es sie gibt, und bauen Sie die CX-Integration selbst.
In allen drei Fällen ist die Reihenfolge dieselbe: Inventar, ein Anwendungsfall, Vertragsklarheit, dann Plattformarbeit.
Nächster Schritt
Spadoom verbindet Daten aus Sales Cloud V2, Service Cloud V2 und S/4HANA Public Cloud und arbeitet mit SAP Datasphere. Wenn Sie klären wollen, wo Ihr Unternehmen auf diesem Pfad steht, finden Sie auf unserer Seite zu SAP Business Data Cloud einen kurzen Gesprächstermin.
Häufige Fragen
Wie lange wird SAP BW innerhalb von Business Data Cloud gewartet?
Laut SAP wird BW NetWeaver in der Private Cloud Edition bis Ende 2030 gewartet. BW/4HANA Private Cloud Edition wird über 2030 hinaus unterstützt. Das gibt BW-Kunden Zeit, Modelle schrittweise statt in einem Big Bang zu überführen.
Was macht der Data Product Generator?
Er macht aus bestehenden BW-InfoProvidern (InfoObjects, aDSOs, CompositeProvider, MultiProvider und InfoCubes) Datenprodukte, die als Delta-Tabellen im Datasphere-Objektspeicher liegen. Von dort lassen sie sich mit SAP Databricks teilen, ohne die Daten nochmals zu kopieren.
Welches BW-Release brauche ich für den Data Product Generator?
SAP nennt BW 7.5 SPS24 auf HANA, BW/4HANA 2021 SPS04 oder BW/4HANA 2023 als Voraussetzung. Betreiben Sie ein älteres Release oder BW auf einer Nicht-HANA-Datenbank, planen Sie zuerst das Upgrade und erst dann den Shift.
Wir nutzen SAP Sales Cloud V2 und S/4HANA Public Cloud ohne BW. Ist dieser Pfad relevant?
Der Lift- und Shift-Teil nicht. Sie starten direkt mit Datasphere und Datenprodukten: Finance Intelligence ist seit Oktober 2025 allgemein verfügbar, und CX-Daten gelangen über eine eigene Integration in Datasphere, solange Revenue Intelligence im Preview ist.
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