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Was sind agentische KI-Systeme? Und wie SAP sie zum Leben erweckt
Insights · ·13 Min. Lesezeit

Was sind agentische KI-Systeme? Und wie SAP sie zum Leben erweckt

Dario Pedol

Dario Pedol

CEO & SAP CX Architect, Spadoom AG

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Die meisten Unternehmen haben KI für Routineaufgaben eingeführt: Transaktionen verarbeiten, Kennzahlen analysieren, Texte generieren. Nützlich. Aber diese Lösungen haben eine zentrale Einschränkung: Sie handeln nur, wenn man sie dazu auffordert. Stellen Sie eine Frage, bekommen Sie eine Antwort. Mehr nicht.

Agentische KI verändert dieses Modell grundlegend. Diese Systeme arbeiten mit Autonomie. Sie bewerten Situationen, priorisieren Massnahmen und führen ganze Arbeitsabläufe selbstständig aus. Weniger Übergaben, schnellere Reaktionen, Entscheidungen auf Basis des aktuellen Geschäftskontexts.

Das ist kein futuristisches Konzept. Gemäss der 2025 Global AI Survey von Fast Company glauben 36 % der Unternehmensführer, dass agentische KI-Workflows deutlich mehr Wert liefern als herkömmliche KI-Implementierungen. Der Vorteil liegt nicht darin, schneller zu arbeiten. Er liegt darin, Systeme zu haben, die kontextbewusste Entscheidungen treffen und Prozesse vorantreiben, ohne auf Anweisungen zu warten.

Was agentische KI ausmacht

Agentische KI bezeichnet intelligente Systeme, die mit einem klaren Ziel arbeiten. Im Kern steht der KI-Agent — Software, die in digitalen Umgebungen Aufgaben auf Basis aktueller Bedingungen ausführt, nicht auf Basis vordefinierter Befehle.

Konkret: Ein Agent erkennt einen stockenden Prozess, bewertet die Optionen und leitet den nächsten Schritt ein. Ohne Eingabe, ohne Wartezeit. Ob Kundenanfrage, Lieferantenänderung oder internes Serviceproblem — der Wert liegt in der konsequenten Aufgabenverfolgung.

Die Praxis bestätigt das. Laut Sendbird stellte Salesforce’s Connected Shoppers Report fest, dass 43 % der Einzelhändler bereits agentische KI-Tools erproben. Der Wandel hin zu Automatisierung mit Entscheidungskompetenz ist branchenüblich geworden.

Generative KI vs. agentische KI

Der Unterschied lässt sich auf eine Formel bringen: Generative KI erstellt Inhalte. Agentische KI erledigt Aufgaben.

Generative KI entwirft eine E-Mail. Agentische KI versendet sie, überwacht die Antwort und plant eine Nachfass-Aktion basierend auf dem Ergebnis. Der eine Ansatz reagiert, der andere handelt.

Die Kernkompetenzen agentischer Systeme

Was einen KI-Agenten von simpler Automatisierung unterscheidet, sind vier Fähigkeiten:

Infografik: Kernkompetenzen agentischer KI, einschliesslich Zieldekomposition, autonomer Entscheidungsfindung, Kontextbewusstsein und Feedback-Schleifen

Zieldekomposition

Komplexe Ziele werden in strukturierte, nachverfolgbare Schritte zerlegt. In HR-Prozessen überwacht ein Agent den Rekrutierungsfortschritt, beurteilt Engagement-Niveaus und interpretiert Kandidaten-Feedback — parallel und ohne manuelle Orchestrierung.

Autonome Entscheidungsfindung

Agenten treffen operative Entscheidungen innerhalb vordefinierter Parameter. Wiederkehrende Rechnungen genehmigen, Serviceanfragen sortieren, Probleme eskalieren. Alles innerhalb klarer Grenzen, aber ohne bei jedem Schritt auf menschliche Eingabe zu warten.

Kontextbewusstsein

Ein Agent arbeitet mit Bewusstsein für die umgebenden Geschäftsbedingungen. Er erfasst Live-Signale: Lagerbestand, Kundenprioritäten, frühere Interaktionen. Wenn ein wertvoller Kunde bei begrenztem Lagerbestand bestellt, priorisiert der Agent die Anfrage entsprechend. Diese Entscheidungen passen sich dynamisch an, wenn neue Informationen eintreffen.

Kontinuierliche Feedback-Schleife

Agentische Systeme lernen aus den Ergebnissen jeder Massnahme. Sie werten Resultate aus, passen ihr Verhalten an und verbessern über Zeit Präzision und Ausrichtung auf Geschäftsziele. Umso mehr ein System im Einsatz ist, desto besser wird es.

Was agentische KI für Unternehmen bringt

Die Vorteile sind konkret:

Reibungslosere Abläufe

In vielen Unternehmen durchläuft ein einzelner Workflow mehrere Hände, bevor er abgeschlossen ist. KI-Agenten führen verbundene Massnahmen von Anfang bis Ende aus. Weniger Übergaben, weniger Lücken in der Aufgabenverantwortung, weniger Abhängigkeit von ständiger manueller Nachverfolgung.

Sofortige Reaktionszeiten

Agenten reagieren auf Systemauslöser, sobald neue Daten verfügbar werden. Besonders bei Kundenkontakt zählt das. Aktuelle Forschung von Cisco zeigt, dass agentische KI bis 2028 voraussichtlich 68 % der Kundendienstinteraktionen verwalten wird.

Personalisierung im grossen Massstab

Für Handelsmarken kann die Integration agentischer KI in E-Commerce-Lösungen intelligentere Promotionen und stärkeres Engagement bedeuten. Agenten passen Angebote, Support und Timing basierend auf Echtzeitverhalten an — ohne dass das Team grösser werden muss.

Effizientere Datennutzung

In Branchen wie Fintech und Gesundheitswesen reduzierten Agenten die gesamte Annotationszeit um 52 %, indem sie risikoarme Daten selbstständig verarbeiteten und nur unsichere Fälle zur Überprüfung markierten.

Geringere Betriebskosten

Wenn mehr Routineentscheidungen an Agenten delegiert werden, sinkt der Bedarf an manueller Aufsicht. Die Servicekonsistenz bleibt, die Kosten nicht. Bewussteren Ressourceneinsatz auf jeder Ebene — das ist das Ergebnis.

Wo agentische KI bei SAP bereits arbeitet

SAPs Unternehmenssysteme setzen agentische KI im täglichen Betrieb ein. In Finanzen, Beschaffung, Service und HR. Nicht theoretisch — in hochvolumigen, entscheidungsgesteuerten Workflows.

Infografik: reale agentische KI-Anwendungsfälle wie Streitbeilegung, Beschaffung, Finanzautomatisierung, Prozessintegration und Datenstrukturierung

Streitbeilegung in der Debitorenbuchhaltung

SAPs Finanztools nutzen agentische KI für Streitigkeiten bei Kundenrechnungen. Ein Agent scannt eingehende Nachrichten, identifiziert Probleme, erstellt eine Fallzusammenfassung und empfiehlt Lösungen. Bevor ein Mensch das Ticket überhaupt öffnet.

Funktionsübergreifende Finanzautomatisierung

Joule-Agenten schliessen Lücken zwischen isolierten Systemen in Finanzen, Betrieb und Kundenservice. Bei der Validierung eines Zahlungsstreits extrahiert ein Agent Rechnungsmetadaten, gleicht den Kundenverlauf ab, prüft den Kontostatus und markiert Anomalien. Kein manuelles Routing nötig.

Beschaffung und Lieferantenbewertung

Beschaffungsteams auf SAP setzen agentische KI ein, um Lieferantenoptionen zu bewerten, ohne Berge von Dokumentation durchzuarbeiten. Ein Agent ruft Vertrags-PDFs auf, scannt Compliance-Richtlinien, vergleicht Angebote und fasst Vor- und Nachteile zusammen. Er erkennt veraltete Zertifizierungen oder widersprüchliche Klauseln — Dinge, die manuell Stunden dauern.

Systemüberbrückung für Prozessautomatisierung

Eine der wertvollsten Anwendungen: Agenten verbinden Module wie S/4HANA, SuccessFactors und Drittanwendungen. Beim Onboarding eines Mitarbeiters oder der Erfüllung eines Kundenauftrags koordinieren Agenten Schritte plattformübergreifend. Sauberere Übergaben, weniger Lücken, vollständig nachverfolgbare Ausführung.

Unternehmensweite Datenstrukturierung

SAP-Agenten verwalten unstrukturierte Daten, die sonst die Entscheidungsfindung bremsen. Ein Joule-Agent liest eingehende E-Mails, klassifiziert nach Problemtyp, extrahiert relevante Informationen und weist Routing-Tags für nachgelagerte Teams zu. Rechnungsanhänge werden in strukturierte Formate organisiert. Weniger Reibung, schnellere Bearbeitungszeiten.

Wie SAP agentische KI in sein Ökosystem einbaut

SAP hat agentische KI nicht als Zusatzmodul behandelt. Die Fähigkeiten sind in die Architektur eingebettet — direkt in die Workflows, auf die Unternehmen bereits angewiesen sind.

Vom Assistenten zum Prozessverantwortlichen

Was als generativer Assistent begann, ist inzwischen deutlich leistungsfähiger. Joule fungiert als autonomer Teilnehmer in SAP-Umgebungen und schliesst mehrstufige Workflows in Beschaffung, Finanzen und Lieferkette ab. Diese Agenten treffen Entscheidungen auf Basis von Live-Daten, Berechtigungen und Prioritäten.

Intelligenz im gesamten Stack

Die Reichweite geht über das Kern-ERP hinaus. In SAP Sales Cloud V2, Digital Manufacturing und Integrated Business Planning nutzt Joule den SAP Knowledge Graph, um Erkenntnisse zu gewinnen und Aufgaben auszulösen. Agenten arbeiten auch in Concur, Signavio und LeanIX — anwendungsübergreifend, ohne den Kontext zu verlieren.

Intelligenz als Add-on funktioniert nicht. SAPs Ansatz bettet sie in jede Ebene ein. Das ist die Struktur, die agentische KI braucht, um in realen Kontexten Wert zu liefern.

Worauf Sie vor dem Einsatz achten sollten

Agentische KI einzuführen ist kein Schalter, den man umlegt. Diese Systeme sind direkt mit Live-Daten, Geschäftsregeln und alltäglichen Workflows verbunden.

Datenbereitschaft

Agenten treffen Entscheidungen auf Basis dessen, was sie in Echtzeit sehen. Unvollständige oder veraltete Daten führen zu fehlerhaften Aktionen. Prüfen Sie Ihre Datenpipelines. Stellen Sie sicher, dass die Quellsysteme verbunden und synchronisiert sind.

Prozesstransparenz

Bevor Agenten Aufgaben übernehmen, brauchen Sie einen klaren Überblick darüber, wie diese Aufgaben heute ablaufen. Welche Schritte sind involviert? Wo entstehen Engpässe? Wer ist verantwortlich? Ein kartierter Prozess lässt sich besser automatisieren.

Governance und Kontrolle

Autonomie erfordert Aufsicht. Agentische Systeme brauchen definierte Grenzen, Entscheidungsrechte und Nachvollziehbarkeit. In compliance-intensiven Branchen sind das keine optionalen Features. SAP unterstützt das durch eingebaute Erklärbarkeits-Funktionen, die zeigen, wie ein Agent zu einer Entscheidung kam.

Mensch und KI als Team

Agentische KI ersetzt keine Teams — sie arbeitet innerhalb von Teamstrukturen. Wenn Agenten als Mitarbeiter statt als Ersatz verstanden werden, steigen Akzeptanz und Wertbeitrag. Klare Rollendefinition vermeidet Verwirrung und baut Vertrauen auf.

Agentische KI ist schon da

Die Unternehmens-KI hat einen Punkt erreicht, an dem Systeme Workflows nicht bloss unterstützen. Sie helfen, sie zu führen. Agentische KI arbeitet in SAP-Umgebungen: operative Entscheidungen, Aufgabenausführung, plattformübergreifende Koordination. Das passiert jetzt, in den Tools, die viele Unternehmen bereits nutzen.

Die Frage ist nicht mehr, ob agentische KI realisierbar ist. Die Frage ist, ob Ihre Abläufe bereit sind, sie adäquat zu nutzen. Teams abstimmen, Datenflüsse bereinigen, Rollen klar zuweisen — das entscheidet darüber, ob die Einführung Ergebnisse bringt oder Frustration.

SAP hat die Grundlage gelegt. Organisationen, die den Einsatz mit klarer Richtung und solider Governance gestalten, werden diejenigen sein, die messbare Resultate erzielen.

Spadoom als Partner für agentische KI

Spadoom hilft Organisationen, agentische KI in den SAP-Tools einzusetzen, die sie bereits nutzen. Wir gestalten Lösungen, die zur Arbeitsweise unserer Kunden passen — damit Fortschritte sich natürlich anfühlen und die Einführung mit weniger Widerstand gelingt.

Mit Expertise in der SAP-Beratung für europäische Unternehmen stimmen wir diese Systeme auf lokale Compliance, Branchendynamiken und Prozessgestaltung ab. Ob Sie Anwendungsfälle erkunden oder bereit sind für die Implementierung — wir begleiten Sie.

Kontaktieren Sie uns, um zu erfahren, wie Spadoom Ihnen helfen kann, mit SAP AI leistungsfähigere Systeme aufzubauen.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Was bedeutet agentische KI?

Agentische KI bezeichnet Systeme, die autonom planen, handeln, lernen und sich verbessern. Im Gegensatz zu Standard-KI-Modellen zerlegen sie grosse Ziele in kleinere Aufgaben und treffen kontextbasierte Entscheidungen ohne ständige menschliche Eingabe.

Was ist ein Beispiel für agentische KI?

Ein digitaler Assistent, der eine Reise vollständig bucht: Kalender prüfen, Flüge buchen, Hotels vergleichen, Zeitplan aktualisieren — ohne schrittweise Anweisungen.

Was ist der Unterschied zwischen GenAI und agentischer KI?

Generative KI erstellt Inhalte — Text, Bilder, Code — basierend auf Anfragen. Agentische KI plant und führt mehrstufige Workflows aus, passt sich in Echtzeit an und funktioniert wie ein intelligenter Assistent statt ein Inhaltswerkzeug.

Basiert agentische KI auf LLMs?

Ja, viele agentische Systeme basieren auf grossen Sprachmodellen (LLMs), die es ihnen ermöglichen, Kontext zu verstehen, Aufgaben zu durchdenken und in natürlicher Sprache zu interagieren.

Ist agentische KI das nächste grosse Ding?

Vieles spricht dafür. Agentische KI markiert den Wandel von Tools, die unterstützen, zu Systemen, die Aufgaben selbstständig ausführen, sich anhand von Feedback anpassen und in Geschäftsprozessen die Initiative ergreifen.

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