SAP Commerce Cloud, ERP Edition: Was die neue KMU-Variante wirklich verändert
CEO Spadoom AG & Sprecher DSAG AG CX Schweiz
Im Mai 2026, rund um die Sapphire Orlando, hat SAP etwas auf den Tisch gelegt, das der Mittelstand seit Jahren verlangt: eine Commerce-Cloud-Variante, die kein Konzernbudget braucht. SAP nennt sie SAP Commerce Cloud, cloud ERP edition; ich schreibe kurz “ERP Edition”. Ihre Form ist interessanter, als die Schlagzeile vermuten lässt.
Ich schreibe mit zwei Hüten. Als CEO leite ich Spadoom, einen der ersten Pilotpartner, die die neue Edition einführen. Als Sprecher der DSAG-Arbeitsgruppe Customer Experience Schweiz bin ich nah am Gespräch zwischen SAP und Kunden, die seit zwei Jahren genau diese Frage stellen. Beide Perspektiven zeigen in dieselbe Richtung: Das ist die erste glaubwürdige SAP-Antwort für B2B-Commerce im Mittelstand auf einem Cloud-ERP.
Kurzfassung: Die SAP Commerce Cloud, ERP Edition ist B2B-Commerce, gebaut für S/4HANA Public Cloud. Die Commerce-Engine ist im Hintergrund ans ERP angebunden, Einkäufer erhalten Self-Service, Stammdaten fliessen über Datenprodukte der SAP Business Data Cloud, Identitäten über die Customer Data Cloud, und Joule ist enthalten. SAP strebt Einführungen in unter 90 Tagen an. Stand September 2026: Die Public-Cloud-Variante wurde im Mai 2026 angekündigt, die Private-Cloud-Variante ist für Ende 2026 geplant. Die DSAG hat berechtigte offene Punkte zu bestehenden BDC/CDC-Kunden und zur Lieferung benannt. Als Pilotpartner wissen wir bereits, welche Teile unter Projektbedingungen halten.
Die wichtigsten Fakten (Stand September 2026)
- Produkt: SAP Commerce Cloud, cloud ERP edition
- Zielgruppe: kleine und mittlere B2B-Unternehmen auf SAP S/4HANA Public Cloud
- Architektur: Commerce-Engine im Hintergrund ans ERP angebunden; im Standardumfang kein eigener Storefront-Bau
- Stammdaten: Datenprodukte der SAP Business Data Cloud, von SAP bereitgestellt und verwaltet; Identitäten über die SAP Customer Data Cloud
- KI: SAP Joule enthalten
- Einführungsziel: unter 90 Tage (Ziel von SAP)
- Public Cloud: angekündigt im Mai 2026
- Private Cloud: geplant für Ende 2026 (laut SAP, Änderungen vorbehalten)
- Pilotpartner: Spadoom ist einer der ersten
Was SAP im Mai angekündigt hat
Ohne die Keynote-Sprache ist der Kern kurz. SAP hat eine neue Edition der Commerce Cloud für kleine und mittlere B2B-Unternehmen vorgestellt, die bereits S/4HANA Public Cloud einsetzen. Zuerst kam die Public-Cloud-Variante; die Private-Cloud-Variante ist für Ende 2026 geplant.
Architektonisch ist das ein anderer Entscheid als bei der klassischen Commerce Cloud. Die Commerce-Engine wird zu einer Schicht, die über SAP-Schnittstellen ans ERP angebunden ist und für die Mitarbeitenden im operativen Geschäft im Hintergrund bleibt: Sie arbeiten weiter in S/4HANA. Einkäufer erhalten Self-Service für Preise, Bestellstatus, Rechnungen und ihr Konto. Die Stammdaten übernimmt SAP über Datenprodukte in der SAP Business Data Cloud, Identitäten und Einwilligungen über die SAP Customer Data Cloud, und Joule läuft über den ganzen Stack. SAPs eigene Einführung in die cloud ERP edition beschreibt sie als Commerce “built for the SAP Business Suite”.
Der Beitrag in DSAG impulsant vom 12. Mai 2026 fasst die Sicht der Anwendergruppe am besten zusammen, wenn Sie die Details möchten.
Eine alte Frage bekommt endlich eine Antwort
Jahrelang hatte der Mittelstand auf der SAP-Seite zwei echte Optionen für B2B-Commerce: die volle Commerce Cloud mit Konzernumfang und Konzernbudget, oder auf SAP-eigenes Commerce verzichten und einen Drittanbieter-Shop über Middleware an S/4HANA anbinden.
Beides war unbefriedigend. Die volle Commerce Cloud ist hervorragend in dem, was sie tut. Wir haben sie für Franke und globale Distributoren eingeführt, und sie bleibt eine der stärksten B2B-Plattformen für Grossunternehmen. Für ein Schweizer B2B-Unternehmen im Mittelstand war die Plattform aber oft zu gross. Der Middleware-Weg funktionierte technisch, kostete den Käufer aber genau die Integration, wegen der er sich für SAP entschieden hatte. Diesen Zielkonflikt beschreiben wir ausführlicher im Beitrag über SAP Commerce Cloud mit S/4HANA Public Cloud im B2B.
Die ERP Edition ist die Antwort, die von Anfang an hätte da sein sollen: Commerce dort, wo das ERP ohnehin lebt, und SAP übernimmt mehr von der Integrationsarbeit.
Wie die ERP Edition in der Praxis funktioniert
Drei Dinge unterscheiden sich von der klassischen Commerce Cloud, und sie prägen alles andere.
Kein Storefront-Projekt im Standardumfang. Es gibt keine eigene Storefront zu bauen und kein Repository der Composable Storefront (früher Spartacus) zu pflegen. Interne Anwender arbeiten in S/4HANA, Einkäufer nutzen den Self-Service, der zur Edition gehört. Bei einer klassischen Commerce-Cloud-Einführung ist der Frontend-Bau meist der grösste Kostenblock; im Standardumfang der ERP Edition gehört er nicht zum Projekt. Wer ein vollständig markenspezifisches, individuelles Einkaufserlebnis braucht, hat ein anderes Projekt.
Stammdaten fliessen über BDC und CDC. Datenprodukte in der SAP Business Data Cloud tragen Stammdaten wie Produkte und Preise; die SAP Customer Data Cloud übernimmt Identitäten, Einwilligungen und Segmentierung. Thomas Henzler, DSAG-Fachvorstand Vertrieb, Produktion & Logistik, nannte diesen Ansatz “neu und grundsätzlich sinnvoll”, und weil SAP die Datenprodukte bereitstellt und verwaltet, baut der Kunde keine eigene Integration. Ich teile diese Einschätzung, mit einer Einschränkung aus dem Piloten: Mapping, Datenqualität, Konfiguration und Monitoring bleiben Aufgabe des Kunden. SAP nimmt den Integrationsbau ab, nicht die Verantwortung für die Integration.
Joule ist Teil des Pakets. Business AI ist in die neuen Abläufe eingebaut statt nachträglich ergänzt. Für Auftragserfassung und Service im B2B-Mittelstand zählt das: Bestellvorschläge, Vertragsabfragen, Ticket-Triage. Damit es nützt, braucht es trotzdem Konfiguration (mehr dazu unten).
Das SAP-Ziel von unter 90 Tagen ergibt in diesem Zusammenhang Sinn. Wer keine Storefront baut, keine Integrationsschicht entwickelt und keine separate Identitätsplattform aufsetzt, hat noch Konfiguration, Daten und Einführung vor sich.
Klassische SAP Commerce Cloud und ERP Edition im Vergleich
| Dimension | Klassische Commerce Cloud | ERP Edition |
|---|---|---|
| Architektur | Eigenständige Plattform | Gebaut für S/4HANA Public Cloud |
| Oberfläche für Einkäufer | Composable Storefront oder eigenes Frontend | Self-Service enthalten; im Standardumfang kein eigener Storefront-Bau |
| Integration ins ERP | Kundenprojekt (Wochen bis Monate) | Von SAP bereitgestellte Datenprodukte über BDC und CDC; Konfiguration und Betrieb bleiben beim Kunden |
| KI | Joule und KI-Funktionen je nach Lizenz | Joule enthalten |
| Einführung | Typischerweise mehrere Monate | SAP-Ziel: unter 90 Tage |
| Katalog und Komplexität | Millionen SKUs, mehrere Storefronts | Kataloge im B2B-Mittelstand, Standardprozesse |
| Passt für | Konzerne, B2B/B2C, mehrere Storefronts | B2B-Mittelstand auf S/4HANA Public Cloud |
| Preise | Individuelles Angebot (siehe unseren Preisleitfaden) | Stand September 2026 noch nicht veröffentlicht |
Einen direkten Vergleich mit Shopify Plus finden Sie unter SAP Commerce Cloud, ERP Edition vs. Shopify Plus.
Was sich für Käufer ändert
Das Kostenprofil des Projekts verschiebt sich. Ohne Storefront-Bau und Integrationsprojekt fliesst das Geld anderswohin. SAP hat noch keine Preise veröffentlicht, eine Lizenzzahl kann ich Ihnen also nicht nennen. Sagen kann ich, dass die Einführungsarbeit auf Konfiguration, Daten und Einführung schrumpft.
Die Zeit bis zum Nutzen wird kürzer. Ein Ziel von unter 90 Tagen heisst: Ein Unternehmen, das in diesem Quartal entscheidet, kann im nächsten live sein. Für denselben Umfang bedeutete die klassische Commerce Cloud meist ein deutlich längeres Projekt.
Der Entscheid rückt näher ans Geschäft. Wenn Commerce Teil des ERP ist statt einer eigenen Plattform, verlässt das Gespräch das Silo des Digitalteams und geht zurück zu Operations und Vertriebsleitung, wo es in einem mittelständischen Unternehmen hingehört.
Wo SAP noch liefern muss, und wo wir einspringen
Die DSAG hat die richtigen Fragen bereits gestellt, und sie verdienen eine präzise Antwort.
Der erste offene Punkt sind bestehende SAP-CDC- und BDC-Kunden. Wer diese Plattformen bereits ausserhalb der ERP Edition betreibt: Wie bringt man sie ein? Öffentlich hat SAP das noch nicht beantwortet. Wir verfolgen es über die DSAG-Arbeitsgruppe.
Der zweite ist verlässliche Lieferung, einschliesslich der Private Cloud. Zuerst kam die Public-Cloud-Variante; die Private-Cloud-Variante ist für Ende 2026 geplant. Für den Mittelstand in der Schweiz und im DACH-Raum ist das wichtig, weil ein relevanter Teil der Unternehmen Private Cloud einsetzt. Prüfen Sie den aktuellen Stand im SAP Roadmap Explorer, bevor Sie mit einem Termin planen.
Diese Lücken sind real. Es sind aber genau die Lücken, die Spadoom bei früheren SAP-Einführungen geschlossen hat: mit eigenen Erweiterungen, Übergangsmustern für die Integration und eigenem Tooling, wo das erste Release zu kurz greift. Weil wir S/4HANA Public Cloud und den CX-Stack mit einem Team einführen, sehen wir beide Seiten der Nahtstelle, an der die ERP Edition sitzt. Unsere Aufgabe als Partner ist es, für unsere Kunden zu liefern, nicht darauf zu warten, dass SAP perfekt ist.
Was wir aus dem Piloten gelernt haben
Wir sind einer der ersten Partner mit einem Piloten der SAP Commerce Cloud, ERP Edition, zusammen mit einem Schweizer B2B-Kunden aus dem Mittelstand. Die Erkenntnisse kann ich teilen, auch wenn wir den Kunden noch nicht nennen dürfen.
Disziplin in der Konfiguration zählt mehr als eigener Code. Ohne Storefront und ohne Integrationsschicht entscheidet die Disziplin beim Umfang über Erfolg oder Misserfolg. Das 90-Tage-Ziel ist nur realistisch, wenn der Kunde Standardprozesse für Dinge akzeptiert, die er früher individuell gelöst hat. Dieses Gespräch ist die neue Projektmanagement-Kompetenz für dieses Produkt.
Joule muss eingerichtet werden, nicht vorausgesetzt. Die KI-Unterstützung ist enthalten, aber Grounding und Prompts brauchen Konfiguration, damit die Antworten in einer bestimmten Branche nützen. Wir haben im Piloten echte Zeit dafür investiert, und es hat sich gelohnt.
Das ERP-Team wird zum Commerce-Team. Weil die Commerce-Prozesse über S/4HANA laufen, gehören sie nach dem Go-live den ERP-Key-Usern, nicht einem separaten Digitalteam. Für mittelständische Unternehmen ist das gesünder, braucht aber eine frühe Abstimmung in der Organisation des Kunden.
Roadmap-Disziplin zählt. Einige Funktionen der vollen Commerce Cloud fehlen in der ERP Edition noch. Zu wissen, welche kommen, welche ausserhalb des Umfangs liegen und welche wir selbst ergänzen können, entscheidet zwischen einem sauberen Go-live und einem festgefahrenen Projekt.
Für wen die ERP Edition gedacht ist
Die ERP Edition passt, wenn:
- Sie B2B verkaufen, nicht an Konsumenten
- Sie S/4HANA Public Cloud einsetzen oder einführen
- Sie einen überschaubaren Katalog und viele Wiederholungsbestellungen haben
- Commerce sich wie ein Teil des ERP anfühlen soll, nicht wie eine eigene Plattform
- Sie für Tempo ein Standard-Prozessmodell akzeptieren
Brauchen Sie mehrere Storefronts, Multi-Brand-B2C, Marktplatzlogik oder sehr grosse Kataloge mit aufwendigem Merchandising, bleiben Sie bei der vollen SAP Commerce Cloud. Die ERP Edition ersetzt sie nicht; sie öffnet das Segment darunter, für das die volle Edition nie die richtige Form hatte.
Seit der Ankündigung
Nach Orlando ging die Ankündigung im Mai 2026 weiter an die Sapphire Madrid und an das Swiss Customer Relations Forum in Zürich, wo das Gespräch mit dem Schweizer Mittelstand richtig begann. Stand September 2026 stehen drei Dinge noch aus: veröffentlichte Preise, ein Migrationsweg für bestehende CDC/BDC-Kunden und die Private-Cloud-Variante, geplant für Ende Jahr. Wir aktualisieren diesen Beitrag, sobald sie kommen.
Wenn Ihr Team B2B-Commerce für den Mittelstand auf SAP prüft, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, ins Gespräch einzusteigen. Unsere Übersicht der SAP-Partner für Cloud-ERP und CRM in der Schweiz erklärt, warum Commerce, ERP und CRM aus einem Team hier zählen, und wie S/4HANA Public Cloud und Sales Cloud V2 als ein Stack funktionieren, zeigt dasselbe Prinzip im Vertrieb. Sprechen Sie mit uns über die ERP Edition.
Quellen und weiterführende Links
- DSAG impulsant: Commerce Cloud für KMU, der Beitrag der Anwendergruppe (12. Mai 2026)
- SAP Learning: Introducing SAP Commerce Cloud, Cloud ERP Edition, SAPs Produkteinführung (Englisch)
- SAP Roadmap Explorer, aktuelle Liefertermine
- Unsere News zur Ankündigung an der Sapphire 2026
- Leitfaden zu Preisen und TCO der SAP Commerce Cloud, Kontext zur klassischen Edition
- Lösungsübersicht E-Commerce, was Spadoom mit SAP Commerce Cloud liefert
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Spadoom ist Ihr SAP Commerce Cloud Implementierungspartner in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Italien. 14 Wochen Median-Go-Live. Live-Kunden in der gesamten DACH-Region.
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